23. August 2008 22:10

ORF-Reformen 

Wrabetz hat ehrgeizige Pläne

Bei den Werbeumsätzen lag der ORF im ersten Halbjahr unter Plan. Die Marktanteile entwickeln sich aber gut, sagt der Senderchef im Interview.

Wrabetz hat ehrgeizige Pläne
© csi

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat ein ambitioniertes Reform- und Sparprogramm, das den Sender fit für die Fernsehzukunft und den schärferen Wettbewerb machen soll. Im Jahr 2009 will er 50 Mio. Euro einsparen, bis 2010 sollen 250 Dienstposten wegfallen. Zugleich will er „die Strukturen im Unternehmen straffen und teilweise Arbeitsabläufe neu definieren“. Spekulationen über eine Streichung der Online-Direktion weist Wrabetz zurück: „Das ist derzeit kein Thema.“ Ausgebaut wird jetzt das Video-on-Demand-Angebot.

Mit der Entwicklung der ORF-Marktanteile in den letzten Monaten ist Wrabetz zufrieden. „Das Ziel sind 40 % Tagesmarktanteil in den Kabel-/Satellitenhaushalten, und für 2008 sind wir auf dem Weg dorthin.“

ÖSTERREICH: Herr Wrabetz, wie weit ist Ihr Vorhaben, 250 Dienststellen bis zum Jahr 2010 einzusparen, schon umgesetzt?
Alexander Wrabetz: Wir müssen den ORF so aufstellen, dass die Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts bewältigbar werden – das heißt im Kern Themen- und Marktführerschaft beim Programm mit den niedrigstmöglichen Kosten. Heuer werden wir den Personalstand bereits um 50 Mitarbeiter senken, der Großteil folgt 2009 und 2010. Es ist schwierig, aber wir werden es schaffen.
ÖSTERREICH: Geht das ohne Entlassungen über die Bühne?
Wrabetz: Ja. Es soll durch natürliche Abgänge erfolgen.
ÖSTERREICH: 2009 wollen Sie 50 Mio. Euro einsparen, doch beim Finanzplan 2008 liegt der ORF schon jetzt mehrere Millionen zurück.
Wrabetz: Wir sind im ersten Halbjahr bei den Werbeumsätzen tatsächlich unter Plan gelegen, jetzt hängt es davon ab, wie sich der Herbst entwickelt.
ÖSTERREICH: Ist der Ausfall konjunkturbedingt oder liegt er an sinkenden Marktanteilen?
Wrabetz: Nein, die Marktanteile des ORF entwickeln sich gerade in den vergangenen Monaten sehr gut, wir liegen derzeit praktisch auf 40 %. Vor allem die EURO, die Olympischen Spiele und die Informationssendungen tragen dazu bei. Aber keine Frage – wir spüren wie die gesamte Wirtschaft eine leichte Abschwächung der Konjunktur und dazu den Preisdruck der deutschen Werbefenster.
ÖSTERREICH: Der ORF hat die Olympia-Rechte um mehrere Millionen gekauft, die Zuschauerspitzen lagen bei 200.000 bis 400.000. Ist das vertretbar?
Wrabetz: Nach der ersten Zwischenbilanz haben sich 4,5 Mio. Österreicher eines der Olympia-Angebote des ORF angeschaut. Die Sendungen haben zwar nicht immer so hohe Zuschauerwerte, aber sehr hohe Marktanteile. Natürlich muss das Wachstum der Sportrechte-Kosten ein Ende finden. Seit 1988 sind die Kosten für Olympia-Rechte um 2.400% gestiegen.
ÖSTERREICH:
Derzeit steht die Online-Direktion in Diskussion, braucht der ORF die?
Wrabetz: Wir sind im Online-Bereich sehr erfolgreich, für viele Mitbewerber sogar zu erfolgreich. Man soll nicht so tun, als würde die Einsparung einer Direktion die finanzielle Situation des ORF maßgeblich verändern. Onlinedirektor Thomas Prantner und die Mitarbeiter der ORF ON leisten gute Arbeit, daher ist eine Änderung der Struktur auf Direktionsebene derzeit kein Thema.
ÖSTERREICH
: Gibt es möglicherweise eine Fusion von Technik- und Online-Direktion?
Wrabetz: Die Frage ist eher, wie der ORF-Redakteur der Zukunft arbeitet, ob er Online-, Radio- und TV-Beiträge in einem gestalten wird.




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