20. Dezember 2007 19:13

ORF-Konzern 

Wrabetz schließt Verkauf von TW 1 nicht aus

Der ORF hat sich von 40 Prozent Marktanteil "geistig noch nicht verabschiedet".

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will im kommenden Jahr mit Hilfe der geplanten Gebührenerhöhung vor allem in Eigenproduktionen investieren. Neue Formate, wie das "Bürgerforum", sollen etabliert und Schwachstellen, wie der "Report", angegangen werden, sagte er im APA-Interview. Einen Verkauf des Spartensenders TW 1 schloss er nicht dezidiert aus, er wolle in nächster Zeit "prüfen, wie man mit TW 1 strategisch vorgeht".

Die gesetzliche Möglichkeit, den Wetter- und Tourismuskanal wie ursprünglich geplant zu einem Info- und Kulturkanal umzubauen, "sehe ich medienpolitisch kurzfristig jedenfalls nicht, daher muss man sich Alternativszenarien überlegen". Auf die Frage, ob ein Verkauf denkbar wäre, meinte Wrabetz: "Langfristig ist es für den ORF nicht sinnvoll, einen kommerziellen Spartenkanal zu betreiben. Wir müssen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Wenn eine Umwandlung zum Infokanal nicht möglich ist, muss was anderes geschehen."

Zu einem Komplett-Verkauf der Sendetechniktochter ORS gibt es hingegen "derzeit keine Überlegungen", meinte Wrabetz, und einen Verkauf bzw. die Privatisierung von ORF 1 bezeichnete er als "absurd". ORF 1 sei ein "erfolgreicher Kanal", habe viele Eigenproduktionen, wie das Kinderfernsehen oder den Showabend am Freitag, hervorragende Sportangebote und darüber hinaus eine eigene Infoschiene. ORF 2 allein wäre laut Wrabetz "auf lange Frist nicht überlebensfähig. Eine Verkaufsdiskussion ist im Ansatz abzulehnen".

Im Programmbereich will Wrabetz im Jahr 2008 vor allem in Eigenproduktionen investieren und die Schwachstellen eliminieren. Als "sehr enttäuschend" bezeichnete er die Quotenentwicklungen beim "Report", der "massiv an Marktanteilen verloren hat und damit auch dem Vorlauf zur 'ZiB 2' schadet". Dem Format steht demnach bald ein Relaunch ins Haus. Auf die Frage, ob es dabei auch zu personellen Veränderungen und zur Ablöse des der "schwarzen" ORF-Reichshälfte zugeordneten "Report"-Chef, Gerhard Jelinek, kommt, meinte Wrabetz: "Diese Entscheidung liegt bei Informationsdirektor Elmar Oberhauser."

Die ursprünglich für die dritte Phase der Programmreform geplante Umstrukturierung des Nachmittagsprogramms ist mittlerweile kein Thema mehr. Bevor man unter der Woche in den Nachmittag investiere, "ist der Vorabend auf ORF 1 dran". Auf dem Programm für nächstes Jahr stehen außerdem wieder einige Themenschwerpunkte, unter anderen zu den Themen Gesundheit und Migration. Über das ganze Jahr 2008 erstreckt sich ein Schwerpunkt Zeitgeschichte rund um die Jahre 1918, 1938 und 1968, bei dem "in mehreren Teilschwerpunkten die Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet werden soll".

Auf Marktanteilsziele für 2008 wollte sich Wrabetz noch nicht festlegen, darüber werde man bei der Sondersitzung des Stiftungsrats im Jänner beraten. Von einem Marktanteil von 40 Prozent habe man sich aber "geistig noch nicht verabschiedet", räumte Wrabetz ein. "In Wirklichkeit ist es aber nicht ausschlaggebend", ob als erste Ziffer eine drei oder vier steht, viel wichtiger seien die jeweiligen Reichweiten in den Zielgruppen. "Aber die vier ist ein wichtiges optisches Signal."

Dass der neue Privatsender Puls 4, der Anfang 2008 startet, dem ORF in punkto Marktanteile wehtun könnte, glaubt der ORF-Chef nur bedingt: "In Deutschland verlieren die öffentlich-rechtlichen Sender an die kleinen Programme, die Piranhas. Puls ist zwar noch kein echter Piranha, aber ein kleines Piranharl - und auch die können beißen." Dass Puls 4 dem ORF im Match um die Werbegelder Konkurrenz machen könne, glaubt Wrabetz nicht - intensiver werde nur der Wettbewerb um die Österreich-Rechte an Filmen und Serien.




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