11. Februar 2009 14:53

Wirbel im ORF 

Wrabetz verbietet Mitarbeiter-Beschimpfung

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wehrt sich gegen "pauschale Verunglimpfungen" von ORF-Mitarbeitern und Landesstudios - auch im eigenen Programm.

Wrabetz verbietet Mitarbeiter-Beschimpfung
© Michele Pauty

Der ORF-General ersuchte in einem ORF-intern veröffentlichten Schreiben seinen zuständigen Programmdirektor Wolfgang Lorenz, "dafür Sorge zu tragen, dass bei aller Möglichkeit zu scharfer Kritik, Selbstkritik und Satire pauschale Verunglimpfung unserer Mitarbeiter unterbleibt".

"Dorfers Donnerstalk"
Konkreter Anlassfall war eine Ausgabe der Satiresendung "Dorfers Donnerstalk" vom 29. Jänner, in der sämtliche ORF-Mitarbeiter als "unfähig, nicht engagiert, unmotiviert, leistungsunwillig und leistungsunfähig" und die Landesstudios als "politisch korrumpiert" dargestellt wurden.

Dass sich Wrabetz erst zwei Wochen nach der Sendung und der daraus resultierenden ORF-internen Aufregung zu Wort meldet, begründet er damit, dass nun "nach dem 'Abflauen' spontaner Gefühle eine sachliche Auseinandersetzung möglich ist".

"Keine Zensur"
Grundsätzlich wolle Wrabetz nicht "wehleidig" sein, auch seien weder die Geschäftsführung des ORF noch seine Mitarbeiter "sakrosankt". Es sei auch "in verträglichen Grenzen möglich, dass Protagonisten dieser Produktionen diverse Vorurteile gegenüber dem ORF und seinen Mitarbeitern öffentlich bedienen, um 'billige Lacher' zu generieren". "Zensur und Verbote sind für diese meine Geschäftsführung undenkbar" - allerdings ebenso wenig pauschale Verurteilungen, schrieb der Generaldirektor.

Verteidigung der Landesstudios
Zum Vorwurf, die Landesstudios seien politisch "korrumpiert" meinte Wrabetz: "Wahr ist, dass acht ORF-Landesstudios hervorragende, vollkommen unbestrittene objektive Arbeit in der politischen Berichterstattung leisten. Nur weil es in einem Bundesland öffentliche Diskussionen gibt, ist es unzulässig, die Arbeit der anderen Landestudios pauschal herunter zu machen. Und auch in jenem Bundesland, wo es Vorwürfe gibt, bemühen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um guten Journalismus."

Wrabetz spielt damit offenbar auf das Landesstudio Niederösterreich an, das zuletzt wegen seiner Nähe zum niederösterreichischen ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll wiederholt in der öffentlichen Diskussion stand.

ORF Niederösterreich reagiert
Der Landesdirektor des ORF Niederösterreich, Norbert Gollinger, weist die erhobenen Behauptungen gegen das Landesstudio auf das Schärfste zurück: Die Redakteurinnen und Redakteure des Landesstudios gestalten mit hoher Professionalität und großem Engagement eine objektive, kompetente und seriöse Berichterstattung, die vom Publikum geschätzt wird. So hat die tägliche Fernsehsendung "NÖ heute" von 2007 auf 2008 den Marktanteil von 46 auf 47 Prozent gesteigert. Auch die Budgetvorgaben hält das Landesstudio ein.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ORF-Generaldirektor mit seinen Aussagen das Landesstudio Niederösterreich meint", sagt Landesdirektor Gollinger. "Wir fühlen uns davon jedenfalls nicht angesprochen. Schließlich hat der ORF-Generaldirektor bei der Veranstaltung "10 Jahre ORF-Funkhaus in St.Pölten" am 6. November 2008 folgendes erklärt: ´Das muss man sagen, das ist Unglaubliches, was hier geleistet wird. Gerade in einem großen Bundesland steigen die Anforderungen besonders.´ Dem ist nichts hinzuzufügen".

Kein Kommentar von Lorenz
Programmdirektor Lorenz wollte zu der Geschichte kein Statement abgeben. Dafür reagiert auf ÖSTERREICH-Anfrage der Kabarettist Alfred Dorfer:

Bisher keine Zensur
Unverständlich ist dieses Statement für mich, weil es in Dorfers Donnerstalk zu keiner pauschalen Verunglimpfung der ORF-Mitarbeiter kam, weder was ihre Korrumpierbarkeit noch ihre Leistungsfähigkeit betrifft.

Überraschend ist das auch angesichts der Tatsache, dass in der Amtszeit der jetzigen Geschäftsführung bislang weder Zensur noch andere Einflussnahmen stattfanden und ein friktionsfreies Arbeiten möglich war.

Der ORF unter Programmdirektor Lorenz bewies bis dato eine unter früheren Führungen undenkbare Toleranz auch gegenüber der Kritik am Unternehmen.




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