26. September 2007 17:13

Medientage 

Zeiler: Fernsehen bleibt das Leitmedium

Gerhard Zeiler, dem Chef der RTL Group, bereitet die Digitalisierung "keine Sorgen". Zeiler: Die "Chancen sind größer als Risike".

Zeiler: Fernsehen bleibt das Leitmedium
© APA

"Keine Sorgen" um die Zukunft des Fernsehens macht sich Gerhard Zeiler, Chef der RTL Group, zu der 39 TV-Sender in ganz Europa gehören. "Die Chancen durch die Digitalisierung sind größer als die Risiken", sagte der frühere ORF-Generalintendant bei den Österreichischen Medientagen in Wien. "Das grundsätzliche menschliche Bedürfnis, sich zurückzulehnen und unterhalten zu lassen, bleibt erhalten." Zeilers Kernbotschaft: "Wir wollen und werden der Fragmentierung des Fernsehmarktes pro-aktiv entgegensteuern, wir werden expandieren, und wir werden mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren."

Die Digitalisierung werde den Zuschauern "ganz neue Freiheiten" ermöglichen. Das TV-Publikum könne sehen, wann es will, wo es will und wie es will. Das Fernsehen werde deshalb das "Leitmedium Nummer eins" sein, zeigte sich Zeiler überzeugt. Fernsehunternehmen hätten sich in diesem dynamischen Umfeld aber drei großen Herausforderungen zu stellen: der Fragmentierung der Zuschauermärkte, die die Marktführer ganz besonders treffe, neuen Verbreitungsformen und -kanälen sowie neuen Unterhaltungsformen und -formaten (Stichwort "user generated content").

Zeiler hielt dem vier Grundsätze entgegen, an denen sich die RTL Group orientiert: "Es ist besser sich selbst zu fragmentieren, als von anderen fragmentiert zu werden. Angesichts eines Wettbewerbs von 100 Kanälen kann es sich kein TV-Unternehmen leisten, nur einen Sender anzubieten. Es braucht Senderfamilien, die sich komplementär ergänzen." Für den "staatlich geschützten öffentlich-rechtlichen Rundfunk" sei das kein Thema, "für uns Private schon". Weiters gebe es keinen Grund, Angst for neuen Technologien zu haben. Diese seien weniger als Konkurrenz denn als "neue Distributionskanäle" zu sehen. "Unser Geschäft ist nicht das Wo und Wann, sondern das Was - starke Marken, die im Mediendschungel der 1000 Kanäle Orientierung bieten", so Zeiler.

CSI:Wien
"Wir wollen auf allen heutigen und zukünftigen Kanälen vertreten sein." Als Beispiel führte der oberste RTL-Boss ein potenzielles "CSI: Wien" an. Infos und Trailer einer Folge würden ein paar Tage vor der TV-Ausstrahlung im Web zur Verfügung stehen, einen Tag vor der TV-Verbreitung wäre die Folge als Video on demand kostenpflichtig erhältlich, dann folgte die eigentliche Ausstrahlung im Fernsehen, unterbrochen durch klassische Werbeblöcke und in verschiedenen Übertragungsstandards, kurz danach wäre das ganze als kostenloser Download mit Werbung oder kostenpflichtig ohne Werbung zu beziehen, und am Ende stünde die Vermarktung via DVD. Zeiler: "So sieht unsere Antwort auf das Wo und Wann aus."

Darüber hinaus brauche es "Mut zur Nische". Die Digitalisierung biete nahezu unbegrenzte Verbreitungskapazitäten. Erfolgreiche "Nischenprodukte" seien etwa Kanäle, die Wiederholungen erfolgreicher Serien bringen. "Viele Programme sind so beliebt, dass die Zuseher sie immer wieder sehen wollen", berichtete Zeiler. Andere Nischen sieht der TV-Macher in Markenerweiterungen und entsprechenden Zusatzangeboten sowie in komplett neuen Inhalten wie etwa Soaps für Handy-TV. Zuletzt brauche es in der digitalen Welt eine Diversifizierung der Erlösquellen. "Ich glaube hundertprozentig an die Zukunft des werbefinanzierten Privat-Fernsehens, aber für neue Digital-Angebote wird es einen Mix aus Erlösquellen geben: Werbung, Abos, pay per view, Verkauf an andere Plattformen." (APA)




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