22. Jänner 2007 17:01

Erich Schumann 

Der "Tycoon im Westen"

WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann hatte vielfältige Verbindungen nach Österreich.

Erich Schumann war eine der großen Verlegerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der 1930 in Nürnberg geborene Jurist war seit 1978 Geschäftsführender Gesellschafter der Mediengruppe WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) in Essen.

Nicht nur der Essener-Medienkonzern verliert mit dem Tod Schumanns einen seiner Eigentümer, auch die Wiener Mediaprint und die "Kronen Zeitung" den langjährigen Mitgesellschafter. Die WAZ-Gruppe ist seit 1987 mit 50 Prozent an der "Krone" beteiligt und hält 49,4 Prozent am "Kurier". Auch die Mediaprint, in der Druck, der Vertrieb und das Anzeigengeschäft der beiden Blätter gebündelt sind, gehört zu 50 Prozent der WAZ.

Ruhrpott-Tycoon
Schumann führte Deutschlands drittgrößten Medienkonzern (zwei Milliarden Euro Umsatz, 16.000 Mitarbeiter) seit 1978 und lange Zeit gemeinsam mit dem drei Jahre älteren Günther Grotkamp, wie Schumann gelernter Anwalt. Im Gegensatz zum Sozialdemokraten Schumann galt Grotkamp als konservativ. Die Bezeichnung "Ruhrpott-Tycoons" für das Duo war nicht immer nur freundlich gemeint.

Schumann vertrat in der WAZ den Brost-Zweig. Erich Brost bekam 1948 von den Briten eine Lizenz als Herausgeber der "Westdeutsche Allgemeinen Zeitung". Brost zweifelte an der Eignung seines einzigen Sohnes als Verleger und holte daher 1978 den SPD-Anwalt Schumann als Geschäftsführer ins Team. Nach langem Streit enterbte Brost seinen Sohn, adoptierte 1985 Schumann und setzte ihne als Alleinerben ein.

Großes Engagement
Der passionierte Jäger und Golfspieler zeigte auch abseits der Medienbranche immer wieder großes Engagement und war unter anderem mehrere Jahre Vorsitzender der Deutschen Sporthilfe sowie Präsidiumsmitglied im Nationalen Olympischen Komitee.

1980 wurde Schumann mit dem deutschen Bundesverdienstkreis am Band, 2004 mit dem Bundesverdienstkreis 1. Klasse ausgezeichnet. Mehrere Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde.

Festspiele und Opernball
Mit Österreich verbanden Schumann nicht nur die Medien-Beteiligungen, sondern auch die Liebe zu den Salzburger Festspielen. Auch den Wiener Opernball besuchte Schumann oft.

Noch vor wenigen Tagen dementierte die WAZ die Meldung, Schumann ziehe sich krankheitsbedingt aus dem Unternehmen zurück.




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