29. Jänner 2007 13:56

VÖZ versus ORF 

Duales System aus dem Gleichgewicht

Verlegerpräsident Horst Pirker spricht sich gegen weitere ORF-Spartenkanäle aus.

Duales System aus dem Gleichgewicht

Eine Stärkung der privaten Medien und keine weitere Bevorzugung des öffentlich-rechtlichen ORF wünschen sich die Zeitungsverleger von der großkoalitionären Medienpolitik. Es bedürfe keiner weiteren Stärkung des ORF, stellte Horst Pirker, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), in einem Interview mit der APA klar. "In Wahrheit ist eine Stärkung der privaten Medienveranstaltung notwendig, weil das duale System nirgends auf der Welt so aus dem Gleichgewicht ist wie in Österreich."

Kritik übt der Verlegerpräsident etwa an den Spartenkanalplänen des ORF, der TW 1 zu einem Sportenkanal für Information ausbauen will. Die SPÖ möchte dem ORF in Zukunft sogar mehrere Spartenkanäle ermöglichen. Pirker: " Das ist genau die Verwechslung, hinsichtlich eines starken ORF. Der ORF ist mehr als stark genug, er braucht keine neuen Kanäle. Im Gegenteil: Es ist zu überlegen, ob er nicht längst zu viele Kanäle betreibt."

Absurde Ideen
Ideen, wonach der ORF stärker mit ATV kooperieren oder sich gar an dem Privatsender beteiligen können soll, hält Pirker für vollkommen "absurd". ORF-Chef Alexander Wrabetz und SPÖ-Mediensprecher Josef Cap haben in der Vergangenheit Sympathien für eine solche Kooperation durchklingen lassen.

Pirkers Botschaft an Wrabetz und Cap: "ATV kommt leider nicht und nicht auf die Beine, weil das duale System in Österreich eben ganz aus dem Gleichgewicht ist. Und dann gibt es Menschen, die die Therapie darin sehen, dass der ORF, der ja genau für das Ungleichgewicht verantwortlich ist, sich auch noch an dem privaten ATV beteiligt und damit die Reste eines dualen Systems zerstört werden. Dass man das in Österreich ernsthaft laut sagen kann, stärkt vielleicht das Prinzip der Meinungsfreiheit, intellektuelle oder gar systematische Maßstäbe darf man da nicht anlegen."

ORF-Werbezeiten nicht lockern
Negativ stehen die Verleger auch einer Lockerung der ORF-Werbezeiten gegenüber. Der ORF habe schon jetzt "mehr als genug" Werbezeiten. "Wenn er sich in Zukunft auf klassische Werbeformen beschränkt, ist das gerade noch erträglich" , so der VÖZ-Präsident und Vorstand der Styria Medien AG. "Ein öffentlich-rechtlicher Medienveranstalter muss sich jeder Form von Schleichwerbung, Produktionskostenzuschüssen etc. enthalten. Das ist eine Frage der Hygiene und eine Frage der Glaubwürdigkeit."

Dass Medienwerbung im ORF wieder mit Inhalten und ohne zeitliche Beschränkung zugelassen wird, ist den Verlegern dabei offenbar kein Anliegen. "Das führt zu noch größeren Wettbewerbsverzerrungen und zu noch stärkerer Konzentration der Medienanbieter. Das ist auch demokratiepolitisch höchst bedenklich", so Pirker.

Unabhängige Medienbehörde richtiger Weg
Hingegen begrüßt der VÖZ-Präsident die von SPÖ und ÖVP geplante Aufwertung der KommAustria zu einer unabhängigen Medienbehörde. "Das ist rechtspolitisch sicher der richtige Weg. Wissen muss man nur, dass das auch für die privaten Medienveranstalter nicht immer nur angenehm sein wird."

Trotz der unterschiedlichen Ansichten haben sich Verlegerpräsident Pirker und ORF-Chef Alexander Wrabetz inzwischen bei einem persönlichen Treffen auf eine "geordnete Bearbeitung der vielen offenen Themen zwischen dem öffentlich-rechtlichen ORF und den privaten Medienveranstaltern verständigt ", berichtet Pirker berichtet.

In Richtung Politik steht darüber hinaus die Abschaffung der Werbesteuer ganz oben auf der Wunschliste der Verleger. Diese verursache nämlich " Standortnachteile für österreichische Unternehmen".




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