10. Jänner 2007 15:07

Plakat-Aktion 

Ärzte werben fürs Nichtrauchen

Eine Plakataktion der österreichischen Ärzte wirbt für das Nichtrauchen: "Der letzte Atemzug beginnt mit der ersten Zigarette."

Ärzte werben fürs Nichtrauchen

"Nein" sollen die Österreicher zu den Zigaretten sagen und zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Das ist der Kernpunkt einer Plakataktion der Österreichischen Ärztekammer. Ein "Nicht genügend" verteilten sie an die nächste Bundesregierung, die sich offenbar in ihrem Programm nicht zu einem generellen Rauchverbot in Lokalen wie in Irland, Spanien oder Italien entschließen konnte.

Generelles Rauchverbot
"Ich glaube, dass die neue Regierung nur ein sehr kurzes Bekenntnis zum Nichtrauchen abgegeben hat. Ich hoffe sehr, dass hier weitere Schritte gesetzt werden", sagte der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Walter Dorner. Rauchen in Autos und in Lokalen sei zu verbieten. Positiv äußerte er sich zur Bestellung von Andrea Kdolsky (V) zur neuen Gesundheitsministerin: "Ich persönlich glaube, dass sie als ausgebildete Anästhesistin und Managerin eine Expertin im Bereich der Medizin ist. Wir können sie nur mit Vorschusslorbeeren belegen. Wir können aber nicht genug fordern, dass die Rauchverbote umgesetzt werden."

Nichtraucherschutz soll ausgeweitet werden
Im Regierungsübereinkommen findet sich zum Rauchen folgender Passus: "Verankerung eines gesetzlich ausgeweiteten Nichtraucherschutzes (insbesondere durch strenge Regelungen auch in Lokalen durch räumlich abgetrennte Raucherzonen)." Das ist den Proponenten der Aktion "Nein - Kennen Sie Ihr Risiko? Kommen sie zur Vorsorgeuntersuchung. Der letzte Atemzug beginnt mit der ersten Zigarette. Fragen Sie ihren Arzt, fragen Sie Ihre Ärztin (Plakattext, Anm.)" zu wenig.

Vorbild Irland
Der Wiener Umwelthygieniker Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger: "Von 1.000 Nichtrauchern müssen in Österreich 662 Menschen unfreiwillig Tabakrauch atmen. In Irland sind es nur 234." In Irland mit seinen rigorosen Rauchverboten auch in allen Lokalen, zum Beispiel Pubs, sei seit 2004 die Zustimmung zu den Verboten von 67 auf 93 Prozent gestiegen, selbst Raucher würden sich zu 80 Prozent positiv äußern.

Neuberger hat beim Vergleich von Feinstaubbelastungen zwischen der offenen Straße in der Nähe des Wiener Gürtels und in einem Lokal Unterschiede vom Zehnfachen zu Lasten des Lokals gemessen. Nach einer Zigarette im Auto steigt der Anteil des Feinstaubs auf 1.300 Mykrogramm pro Kubikmeter Luft, der maximale US-Grenzwert beträgt 35 Mykrogramm pro Kubikmeter.

Neuberger: "In Schottland ist die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen bei Barpersonal innerhalb eines Monats nach dem Rauchverbot von 79 auf 53 Prozent zurück gegangen, nach zwei Monaten auf 47 Prozent." Aus Spanien gäbe es auch Daten über eine Verringerung der der Herzinfarktrate. Dort seien in einem Jahr vier Milliarden Zigaretten weniger geraucht worden.

Unterschriftenlisten für Rauchverbot
Dr. Giuseppe Gorini, Epidemiologie am Zentrum für Krebsforschung in Florenz, zog eine ähnlich positive Bilanz über das in Italien seit Anfang 2004 geltende Rauchverbot in Lokalen: "Der Zigarettenabsatz ist um 5,7 Prozent gesunken, Der Tabakkonsum um 2,3 Prozent. Der Anteil der Raucher in der Bevölkerung hat sich von 26,2 auf 25,6 Prozent verringert. In der Region Piemont mit 4,5 Mio. Einwohnern ist die Zahl der Spitalsaufnahmen wegen eines Herzinfarkts um elf Prozent gesunken." In den österreichischen Arztpraxen liegen Unterschriftslisten für die Forderung nach einem totalen Rauchverbot in Lokalen auf.




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