10. Dezember 2008 09:28

"Recht auf Leben" 

60 Jahre Menschenrechte

60 Jahre gibt es jetzt die UN-Menschenrechte. Der Katalog soll über alle Grenzen und Kulturen hinweg gelten.

60 Jahre Menschenrechte
© Reuters

Am 10. Dezember 1948 trat Eleanor Roosevelt vor den Vereinten Nationen ans Rednerpult. "Ich lese Ihnen jetzt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vor", sagte sie schlicht. Doch was die Witwe des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt so einfach ankündigte, war in Wirklichkeit eine Revolution: Erstmals hatten sich die Staaten der Welt auf einen umfassenden Katalog von Menschenrechten verständigt, der über alle Grenzen und Kulturen hinweg gelten sollte. An diesem Mittwoch feiert die Erklärung ihren 60. Geburtstag.

"Recht auf Leben und Freiheit"
"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es in dem 30 Artikel umfassenden Dokument. "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person." 48 der damals 56 UN-Mitgliedsstaaten stimmten im Pariser Palais de Chaillot für das in zweijähriger Kleinarbeit ausgehandelte Papier. Acht Länder - darunter die Sowjetunion, Saudi-Arabien und Südafrika - enthielten sich der Stimme.

Wertekodex
Nach den barbarischen Erfahrungen von zwei Weltkriegen, Naziterror und Holocaust wollte die Weltgemeinschaft einen Wertekodex festlegen, der die Menschenrechte unter den Schutz der Allgemeinheit stellt. Obwohl die Erklärung rechtlich nicht verbindlich ist und von neuen UN-Mitgliedern noch nicht einmal eigens unterschrieben werden muss, gilt sie als unverbrüchliche Grundlage des Völkerrechts. Mit Übersetzungen in mehr als 360 verschiedene Sprachen ist sie laut UN der meistübersetzte Text der Welt.

"Die Erklärung ist ein Meilenstein. Sie spielt eine absolute Schlüsselrolle beim Schutz von Menschenrechten", sagte UN-Anwaltsdirektor Steven Crawshaw von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) der Deutschen Presse-Agentur dpa in New York. "Es hat seither eine Reihe von wichtigen Veränderungen gegeben, die es Menschenrechtsverbrechern schwerer machen, mit ihren Taten ungeschoren davonzukommen." Als wichtige Signale nannte er das Völkermordverfahren gegen den 2006 gestorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic, die Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic und den beantragten Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir.

Nachholbedarf in manchen Regionen
Gleichwohl sehen die Menschenrechtsorganisationen noch erheblichen Nachholbedarf. Im Kongo sind derzeit 250 000 Menschen durch eine neue Welle von Gewalt heimatlos. In Darfur haben die jahrelangen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen 300 000 Menschen das Leben gekostet, Millionen sind auf der Flucht. Und in diktatorischen Regimen wie Birma oder Nordkorea werden den Bürgern die einfachsten demokratischen Rechte versagt. "Die Erklärung der Menschenrechte bleibt auch 60 Jahre später für viele Menschen ein uneingelöstes Versprechen", sagt die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Barbara Lochbihler.

Folter in 81 Staaten
Allein im vergangenen Jahr dokumentierte die Organisation in 81 Staaten Fälle von Folter oder entwürdigender Behandlung. Weltweit wurden mindestens 1252 Menschen hingerichtet, mit Abstand die meisten im Olympia-Gastgeberland China. In 45 Ländern saßen Bürger allein aus politischen Gründen in Haft. Die Diskriminierung von Frauen, Behinderten und Andersdenkenden ist vielerorts noch eine Selbstverständlichkeit - nicht zu reden von den Millionen und Abermillionen, die aus Not und Armut in menschenunwürdigen Umständen leben müssen.

"Jahr der Menschenrechte"
Die UN will deshalb den 60. Geburtstag nicht nur feiern, sondern hat zu einem Jahr der Menschenrechte aufgerufen. "Wir müssen sicherstellen, dass diese Rechte zu gelebtem Alltag werden - dass jeder sie kennt, versteht und gewährt bekommt, überall auf der Welt", sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Als Symbol dafür wurde die Menschenrechtscharta, auf zwei Tafeln weltraumsicher verpackt, an Bord des US-Space-Shuttles "Endeavour" ins All geschickt und hat nun künftig ihren Platz "über" der Welt in der Raumstation ISS.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |