01. Februar 2008 16:10

Airbus-Weltpremiere 

A380-Flug mit alternativem Kraftstoff

Erstmals in der Geschichte der Zivilluftfahrt hat ein Passagierjet - der Riesenflieger Airbus A380 - mit einem aus Erdgas gewonnenen Flüssigkraftstoff GTL abgehoben.

A380-Flug mit alternativem Kraftstoff
© EPA

Airbus startete am Freitag mit seinem dreistündigen Flug vom britischen Filton nach Toulouse in Frankreich sein Forschungsprogramm für alternative Kraftstoffe. Außer auf das schwefelfreie GTL ("Gas-to-Liquids") will Airbus langfristig vor allem auf Bio-Treibstoffe setzen. Der größte Konkurrent des europäischen Flugzeugbauers, das US-Unternehmen Boeing, will künftig ebenfalls auf Biosprit setzen. GTL gilt als "Überbrückung. Kritiker warnen bereits jetzt vor den Folgen für die Umwelt.

Forschungs-Kooperation in Dubai
"Kraftstoff und Energie sind Kern-Herausforderungen für die Luftfahrt", sagte Airbus-Chef Tom Enders am Freitag. Notwendig sei eine Zusammenarbeit über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. "Und das ist, was wir heute mit unserem wegweisenden Testflug zeigen." An dem Testflug beteiligt sind der Mineralölkonzern Shell, der das GTL zur Verfügung gestellt hat, der Triebwerksbauer Rolls Royce und die Fluglinie Qatar Airways. Das Konsortium hatte vergangenen Herbst in Dubai die Forschungs-Kooperation vereinbart.

Meilenstein für die Luftfahrt
"Das ist ein Meilenstein für uns", sagte Sebastien Remy, zuständig bei Airbus für die Erforschung alternativer Kraftstoffe. Bis 2050 werde sich die weltweite Nachfrage nach Kraftstoffen wegen des Bevölkerungswachstums und des Wirtschafts-Booms in den Schwellenländern voraussichtlich verdoppeln. Dies dürfte auch die Erdölpreise weiter in die Höhe treiben. Es müsse darum eine Alternative zu Kerosin gefunden werden, das aus Erdöl hergestellt wird.

Ein Drittel Biotreibstoff bis 2030
Auch Airbus-Konkurrent Boeing forscht nach einer Alternative zu Kerosin. Diesen Monat soll eine 747 erstmals mit Bio-Treibstoff starten. Heute verfügbare Bio-Kraftstoffe sind nach Ansicht von Experten wegen ihres geringen Energiegehalts nicht so geeignet. Kritiker warnen überdies, dass Biosprit der "ersten Generation" aus Soja oder Raps zudem die Lebensmittelpreise in die Höhe treibe. Zudem werde auch Regenwald abgeholzt, um Anbaufläche zu gewinnen. Ziel von Airbus sei, dass bis 2030 etwa ein Drittel des Treibstoffs in der Luftfahrt aus Bio-Kraftstoff der "zweiten Generation", vor allem Algen, stamme, sagte Remy.

Synthetik-Kraftstoff zur Überbrückung
Die Zeit bis dahin solle mit GTL "überbrückt" werden. GTL sei schwefelfrei und enthalte weniger Feinstaub. Allerdings wird beim GTL nach Airbus-Angaben genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) wie beim Kerosin ausgestoßen. Der Synthetik-Kraftstoff basiert auf Erdgas, der Investitionsaufwand für das komplizierte Verfahren ist erheblich. Mit der größten Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte baut Shell derzeit in Katar am Persischen Golf die gigantische GTL-Pearl-Anlage. Sie soll 2011 in Betrieb gehen.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |