02. April 2008 16:19

Antarktisforscher 

Abbrechen von Schelfeis bisher nicht bedrohlich

Polarforscher sehen - trotz der dramatischen Bilder - keine großflächige Bedrohung des antarktischen Schelfeises.

Abbrechen von Schelfeis bisher nicht bedrohlich
© AP

Bisher sei etwa ein Prozent des Schelfeises klimabedingt verschwunden, vor allem im Bereich der Antarktischen Halbinsel, dem nördlichsten Teil des Kontinents. Die übrigen 99 Prozent des Schelfeises seien aber auf absehbare Zeit "relativ sicher". Unter Schelfeis versteht man das Eis an der Küste der Antarktis, das sich über die Küste hinaus auf das offene Meer erstreckt.

Folgen "regional begrenzt"
Die Folgen des Klimawandels seien zwar feststellbar, jedoch nur regional begrenzt, sagte der Beauftragte des Alfred-Wegener-Institus für Marine Biodiversität, Julian Gutt, am Mittwoch.

"Für das Abschmelzen großer Schelfgebiete wäre eine Erwärmung um 17 Grad erforderlich", schätzte Gutt. Auch seien tiefere Wasserzonen von der Erwärmung nicht erkennbar betroffen. Der Forscher hob jedoch hervor, diese Erkenntnisse dürften nicht dazu verleiten, die weltweite Erwärmung zu ignorieren oder zu unterschätzen.

Flora und Fauna regional zerstört
Das inzwischen fast vollständige Abschmelzen des Schelfeises der Antarktischen Halbinsel sei "eine regionale Katastrophe für den Lebensraum dort". So zerstören losbrechende Eisberge, wenn sie auf Grund laufen, Flora und Fauna auf dem Meeresboden für hunderte, nach Ansicht einiger Forscher sogar für tausende Jahre. Auch sind laut Gutt Ausweichbewegungen von Meerestieren und Pflanzen zu beobachten. Sie bewegten sich entweder in den kälteren Süden der Antarktisgewässer oder in tiefere Wasserschichten.

Gutt leitete unter anderem in der Saison 2006/2007 eine Expedition des Forschungsschiffs "Polarstern" in das frühere Schelfeisgebiet Larsen A und B an der Antarktischen Halbinsel. Auf dieser Expedition wurden die Folgen des Wegbrechens des Eises auf die Artenvielfalt untersucht. Die dabei entnommenen Proben werden derzeit ausgewertet.




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