27. August 2007 10:12

Mikrofon installiert 

Abschmelzen von Tiroler Gletscher ist via Handy hörbar

Via Handy kann man einem Gletscher beim Schmelzen zuhören. Der deutsche Klangkünstler Kalle Laar installierte ein Mikrofon am Vernagtferner in den Ötztaler Alpen.

Abschmelzen von Tiroler Gletscher ist via Handy hörbar
© APA

Ab 5. September folgt mit der Pasterze Österreichs größter Gletscher. Jeder Anrufer wird direkt und in Echtzeit mit dem ewigen Eis verbunden und kann so selbst sein Ohr auf die Auswirkungen des Klimawandels legen.

Klang stellt eine unmittelbare Nähe her
"Calling the Glacier - A Mobile Elegy" heißt das Projekt des unter anderem in Wien lebenden Künstlers. "Bilder sind immer mit Distanz verbunden. Der Klang stellt dagegen eine unmittelbare Nähe her, der man nicht auskommt", erklärte er die Idee hinter seiner Installation.

Hören Sie hier: das Abschmelzen des Gletschers

Distanz aufbrechen
Bei akustischen Signalen komme man überhaupt nicht auf die Idee, dass daran etwas manipuliert sein könne. Bei Bildern werde dieses Bewusstsein dagegen immer mittransportiert. Diese Distanz wolle er aufbrechen. Wenn Leute beim Gletscher anrufen, bringe sie dies direkt an den Ort des Geschehens. Dadurch setze sich automatisch eine innere Gedankenkette in Gang, meinte Laar, der seit den 90er Jahren als Musiker und DJ mit Klängen experimentiert.

Kunstprojekt
Das im April installierte Mikrofon am Vernagtferner ist Teil eines internationalen und interdisziplinären Kunstprojektes mit dem Titel "Overtures" von artcircolo in München. Die 2000 gestartete Projektreihe beschäftigt sich mit dem Themenkomplex Wasser und seiner "herausragenden Bedeutung" als Ressource.

Visitenkarte "Call me"
Erstmals vorgestellt wurde "Calling the Glacier" auf der 52. Biennale in Venedig, wo Visitenkarten vom Gletscher mit der Aufschrift "Call me" und der dazugehörigen Telefonnummer verteilt wurden. Die Pasterze am Fuß des Großglockners wird zeitgerecht zur Eröffnung der diesjährigen Ars Electronica, die vom 5. bis 11. September in Linz statt findet, mobil zu erreichen sein. Weitere Gletscher im europäischen Alpenraum sollen folgen. Zur Diskussion standen vorerst Italien, Frankreich und die Schweiz.

Mikrofon bei Gletscherbach installiert
Das Mikrofon wurde bei der 1973 von der Kommission für Glaziologie der Bayrischen Akademie der Wissenschaften errichteten Pegelstation Vernagtbach auf rund 2.600 Metern, weniger als eineinhalb Meter entfernt vom Gletscherbach, montiert. Der Vernagtferner sei einer der am längsten beobachteten europäischen Gletscher, gab Ludwig Braun, Leiter der Kommission, an. Die erste genau Karte stamme aus dem Jahr 1889. Seit den 1980er Jahren verliere der Vernagtferner nur noch Masse. Allein in diesem Sommer habe er bereits zweieinhalb Meter eingebüßt. Es werde wieder ein "streng negatives Jahr", das könne man jetzt schon sagen, meinte der Glaziologe.

Hier den Gletscher anrufen




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