03. Dezember 2008 15:33

In aqua veritas 

Abwasser-Analysen zeigen Drogenkonsum von Städtern

Per Abwasser untersucht die europ. Drogenbeobachtungsstelle den Drogen-Konsum der Europäer. Aus dem neuesten Bericht geht hervor, dass Jugendliche weniger Drogen nehmen.

Abwasser-Analysen zeigen Drogenkonsum von Städtern
© APA/Artinger

Jugendliche nehmen weniger Drogen. Dies geht aus dem Jahresbericht der europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) hervor. Die Drogenforscher nützen immer mehr das urbane Abwasser, um ihre Analysen anzustellen.

Das Abwasser einer Stadt verrät so einiges über ihre Bewohner. Zum Beispiel, wie viele Drogen sie in etwa konsumieren. Die EBDD sieht darin eine "vielversprechende Perspektive der Drogenbeobachtung". Die EBDDE will herausfinden, ob die Analyse der Rückstände illegaler Drogen sozusagen in Echtzeit Hinweise auf die lokalen Drogenkonsumraten und sich verändernde Tendenzen bieten kann.

Heroin Todesursache Nr 1 bei Jungen
Nach Erhebungen der EU-Agentur ist vor allem in Mittel- und Osteuropa die Zahl junger Heroinsüchtiger und auch der Todesopfer im Zusammenhang mit Heroin gestiegen. In Ländern wie Rumänien, der Slowakei, Estland, Bulgarien, aber auch Österreich steht Heroingebrauch mittlerweile an der Spitze der Todesursachen junger Männer.

Die EBDD rechnet in ihrem jüngsten Bericht vom November 2008 nicht mehr damit, dass der Gebrauch von Heroin in Europa in den kommenden Jahren spürbar sinken wird.

Cannabis-Konsum in EU
Nach Berechnungen der EBDD rauchen etwa vier Millionen oder ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung der EU-Länder täglich oder fast täglich Cannabis. Drei Viertel von ihnen sind zwischen 15 und 34 Jahre alt. Ein Viertel aller Jugendlichen haben mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert, sechs Prozent weniger als 2002. Unter älteren Schülern ist Cannabis nach Alkohol und Tabak nach wie vor das Rauschgift der Wahl. Wer kifft, greift im Übrigen auch häufiger und intensiver zu anderen Suchtstoffen.

Drogen-Analyse seit drei Jahren
Die Abwasser-Methode wurde von Wissenschaftern ursprünglich in den 1990er Jahren angewendet, um die Umweltauswirkungen von flüssigen Haushaltsabfällen einzuschätzen. Rasch erkannte man ihr Potenzial im Bereich der Beobachtung illegaler Drogen, die bzw. deren Metaboliten mit dem Urin ins Abwasser gelangen. Im Jahr 2005 wurde mit Untersuchungen in Bezug auf Kokain begonnen. Seitdem ist dieses Verfahren auch auf andere Drogen wie Opioide, Stimulanzien vom Amphetamin-Typ und Cannabis ausgeweitet worden.

"Illegaler Drogenkonsum ist naturgemäß eine Handlung, die heimlich und im Verborgenen stattfindet. Traditionelle Untersuchungsmethoden (wie Umfragen bei der Bevölkerung bzw. Haushaltserhebungen, Anm.) können sich bei der Schätzung der Konsumraten von zumindest einigen Arten illegaler Drogen als unzureichend und ineffizient erweisen. (...) Die Möglichkeit, dass eine neue Technik zur Schätzung des illegalen Drogenkonsums eine Ergänzung zu dem bereits vorhandenen Repertoire von Forschungsmethoden sein könnte, ist daher eine hochinteressante Perspektive"; heißt es in dem neuesten Bericht.




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