30. Oktober 2007 10:04

US-Medizin versagte 

Aids blieb mehr als ein Jahrzehnt unerkannt

HIV konnte sich in den USA 12 Jahre lang unbehindert verbreiten. Erst 1981 entdeckte die US-Forschung den Aidsvirus.

Aids blieb mehr als ein Jahrzehnt unerkannt
© AFP PHOTO/Elmer MARTINEZ

Als 1981 eine bis dahin rätselhafte Immunschwäche von US-Forschern erstmals beschrieben wurde, hatte sich das Aidsvirus schon etwa zwölf Jahre unerkannt in den USA verbreitet. Dies berichtet ein internationales Forscherteam nach Gen-Analysen zahlreicher Viren in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (online vorab). Wahrscheinlich war das Aidsvirus um das Jahr 1966 herum von Afrika nach Haiti gelangt und von dort 1969 schließlich in die USA.

Bereits 1930 in Afrika
Michael Worobey von der University of Arizona in Tuscon und seine Mitarbeiter hatten Virusproben der ersten bekannten Aids-Patienten aus Haiti analysiert und mit mehreren Proben aus Afrika, Amerika und dem Rest der Welt verglichen. Daraus erstellten sie eine Verbreitungskarte für das Virus. Die Wissenschaftler untersuchten das Aidsvirus 1 der Hauptgruppe M mit dem Subtyp B. Dieses ist das erste Aidsvirus, das entdeckt wurde und das in allen Ländern außerhalb Afrikas südlich der Sahara vorherrscht. Bisherige Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass dieser Virustyp um 1930 herum in Zentralafrika entstand.

Ursprung: Haiti
Die Auswertung der genetischen Daten zeigte nun, dass sich das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit zunächst innerhalb von Haiti und dann von dort über die Welt ausbreitete. Quasi als "Saat-Virus" verursachte der Haiti-Virustyp Epidemien andernorts, etwa in Trinidad und Tobago. Bisher hatten Experten angenommen, dass das Virus Ende der 1970er Jahre mit eingereisten Nordamerikanern zu dem Inselstaat gelangte. Die jetzige Untersuchung belege hingegen, dass Haiti der Ursprungsort des dortigen Epidemie-Virustyps ist, schreiben die Forscher um Worobey.

In den USA habe sich das Virus möglicherweise zunächst langsam in der heterosexuellen Bevölkerung verbreitet, bevor es in die Hochrisiko-Gruppe homosexueller Männer gelangte, vermuten die Forscher. Dort habe es sich dann so stark verbreitet, dass es schließlich bemerkt wurde. Aufgrund der nun mehr 40-jährigen Entwicklungsgeschichte des Virus in Haiti sei dort eine hohe genetische Vielfalt zu finden, was für die Impfstoffforschung wichtig sein könne.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |