19. November 2007 14:04

Schule forscht 

Aktion soll Wissenschaft in den Köpfen verankern

Die Initiative "Forschung macht Schule" startet 2008 und soll an Schulen das Interesse an Wissenschaft wecken.

Aktion soll Wissenschaft in den Köpfen verankern
© EPA/MARTIN RUETSCHI

Der zunehmende Nachwuchsmangel insbesondere in den Naturwissenschaften und in der Technik ist schon länger kein Geheimnis mehr. "Bis zu 1.000 Akademiker pro Jahr" zitierte Forschungsstaatssekretärin Christa Kranzl (S) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien Prognosen und verwies auf Konsequenzen für die Forschung- und Innovationskraft des Landes. Dem Mangel entgegenwirken soll mit 1. Februar 2008 die Initiative "Forschung macht Schule" - ein Maßnahmenbündel, das "vom Kindergarten bis zur Matura" für mehr Bewusstsein für Forschung, Innovation und Technologie sorgen will. Insgesamt 5,4 Mio. Euro stehen 2008 für das Programm bereit.


Bereits bei PISA 2003 lag Österreich bei den Leistungen in Naturwissenschaften deutlich unter dem OECD-Schnitt. "Ich habe die Befürchtung, dass die Ergebnisse diesmal nicht besser sind", so Kranzl zur bevorstehenden Präsentation der neuen PISA-Ergebnisse Anfang Dezember. Ziel der vom Infrastrukturministerium mit Unterstützung des Unterrichtsministeriums gestarteten Initiative ist es, "Forschung und Entwicklung bereits in den Köpfen der Kleinsten" zu manifestieren. Insbesondere junge Mädchen sollen schon früh für die Bereiche interessiert werden.


Das Maßnahmenbündel reicht laut Kranzl dabei von der Einrichtung von Betriebskindergärten in Forschungseinrichtungen über Wettbewerbe und angebotene Ferialpraktika für Oberstufengymnasiasten in Unternehmen bis hin zu Patenschaften von F&E- und Bildungseinrichtungen ("Leuchtturmprojekte") beispielsweise mit dem Angebot von Exkursionen und Laborbesuchen. Außerdem sollen Kindergärtnern und Lehrern Fortbildungen angeboten werden. Wie die Schwerpunkte Naturwissenschaften und Technik in der gesamten Bildungskette - "vom Kindergarten bis zur Matura" - mittransportiert werden könnten, soll in "Pilotregionen" erprobt werden. "Salzburg, Oberösterreich und die Steiermark haben bereits großes Interesse angemeldet", so Kranzl.


Wie viele Ferialpraktika bei Unternehmen - vom Infrastrukturministerium finanziert - Schülern und vor allem Schülerinnen angeboten werden können oder wie die 5,4 Mio. Euro auf die Maßnahmen verteilt werden, darüber wollte die Forschungsstaatssekretärin allerdings noch keine Auskunft geben. Entsprechendes sei derzeit in Erarbeitung.


"Es wird nichts neu erfunden", so Kranzl. Es gebe bereits eine Reihe von Einzelaktivitäten, die derzeit erhoben werden. Was am Markt sei, werde unterstützt und der Fortbildungsbereich ergänzt. Bis Jahresanfang ist die Einrichtung einer "Transferstelle" im Ministerium geplant, die die Maßnahmen koordinieren soll.


Unterstützung für die Initiative erhielt Kranzl von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S), die an die nach wie vor bestehende "gläserne Decke" auf akademischer Ebene erinnerte. Der Frauenanteil in F&E betrage insgesamt 21 Prozent, damit sei man "bei weitem nicht im Spitzenfeld".


Aus Sicht der Industrie präsentierte Monika Kircher-Kohl, Infineon-Vorstandschefin, drei Handlungsfelder: Jugendlichen müsste eine bessere Berufsorientierung und -beratung geboten werden, die "Zerstückelung von Chemie, Physik" und anderen Fächern in den Lehrplänen müsse durch fächerübergreifenden Unterricht beseitigt werden und die Lehrer und Pädagogen müssten mittels Aus- und Weiterbildung stets "auf dem letzten Stand der Erkenntnis" sein.




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