27. August 2007 10:43

Nach "Tatort" 

Angst vor Handystrahlen

Millionen von TV-Zuschauern waren am Sonntag beim "Tatort" geschockt: Ein Mobilfunkmast sendet tödliche Strahlen - eine junge Frau stirbt.

Angst vor Handystrahlen
© APA

Nach diesem "Tatort" trafen aufgeregte Leserbriefe in der oe24-Redaktion ein: Wie gefährlich sind Handys und Sendemasten wirklich?

Zehn Fakten, die Sie wissen müssen:

  • Sind Handy-Strahlen wirklich ungesund? Für Studien wurden bereits Unsummen ausgegeben, 125 Millionen allein in der EU. Joachim Schütz vom Krebs-Institut in Kopenhagen wertete acht Jahre lang die Daten von 420.000 Mobilfunkbenutzern aus und verglich sie mit den Daten des dänischen Krebsregisters. Ergebnis: Für einen Zusammenhang zwischen Strahlung und Krebs fand er keine Hinweise. Auch in anderen Studien wurde kein wissenschaftlich wasserdichter Beweis gefunden.
  • Britische Studie: Entwarnung
    Am 23. August 2007 wird das Ergebnis einer britischen Studie veröffentlicht, die belegt: Mobilfunk hat keine direkte Auswirkung auf elektrosensible Symptome wie Kopfweh, Müdigkeit, Angst oder Nervosität. Diese Symtome werden mancherorts mit Mobilfunkanlagen in Verbindung gebracht. "Es ist wichtig die Beschwerden von elektrosensiblen Personen ernst zu nehmen, denn sie leiden tatsächlich an Ängsten vor der Technologie und das führt zum Verlust von Lebensqualität", sagt FMK Geschäftsführer Maximilian Maier. Trotzdem bleiben Zweifel: Kritiker merken an, dass noch keine Langzeitstudien vorliegen.
  • Was für Nebenwirkungen sind durch Handy-Strahlen bekannt? Heiße Ohren sind kein Alarmzeichen. Laut Studie wärmt ein ausgeschaltetes Handy das Ohr um 1,5 Grad, ein eingeschaltetes um 2,3 Grad. Aber: Immer mehr Patienten klagen über Beschwerden und Krankheiten wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen, und Tinnitus (Geräusche im Ohr). Nach wie vor ist der Zusammenhang zwischen Strahlung und Krebs jedoch nicht endgültig bewiesen, obwohl es viele gegenteilige Studien gibt (s.o.).
  • Sind Strahlen für Kinder gefährlich?
    Jedes fünfte Kind zwischen sechs und zwölf Jahren besitzt ein handy. Ob Mobiltelefone für Kinder gefährlich sind, ist in Langzeitstudien noch nicht bewiesen. Der Mediziner Hans-Joachim Peterson warnt aber: Wir registrieren veränderte Hirnströme. Das EEG (Messung der Hirnströme) zeigt eindeutige Reaktionen auf die Strahlung. Nach spätestens zwei Minuten Telefonat ist die Blut-Hirn-Schranke aufgebrochen, Giftstoffe können daher ungehindert in das Gehirn eindringen.
  • Wo sind Sendemasten montiert? Sendeanlagen haben verschiedene Ausprägungen. Nicht immer sind die Sendeantennen auf einem Handymast befestigt und somit leicht sichtbar. Manchmal werden die Sendeantennen auch direkt auf Gebäuden und in Räumen befestigt. Ein neuer Trend ist, Sendeanlagen in Kirchtürmen zu verstecken (Baden, Purkersdorf, Groß Enzersdorf, geplant: Böheimkirchen, Pressbaum, Pfaffstätten). Es gibt aber auch Sendeanlagen in den eigenen vier Wänden: DECT und WLAN Stationen. Diese Mini-Handymasten sind aufgrund der räumlichen Nähe zu unseren Aufenthaltsräumen und Schlafräumen besonders nachteilig.
  • Wieviele Sendemasten gibt es in Österreich? In Österreich gibt es rund 18.000 Sendemasten für Mobilfunkanlagen (Stand März 2004) mit geschätzten 50.000 Antennen. Allein in Wien sind im April 2005 1.752 Handymasten gezählt worden. Das ergibt jedenfalls über 5.000 Sendeantennen für Mobilfunk in Wien (bei durchschnittlich drei Antennen je Mast). Der Ausbau und Neubau von Mobilfunkanlagen wird weiter fortgesetzt. Weiters werden in Österreich rund 8 Millionen Mobilfunkgeräte (Handys) genutzt, die als Sende- und Empfangsanlagen dienen. Die Anzahl der DECT Schnurlostelefone, die ebenfalls auf der Mikrowellenfrequenz funken, geht schätzungsweise auch in die Hunderttausende in Österreich. Durch diese vielen Sendeanlagen sind wir seit rund 10 Jahren permanent von Mikrowellenstrahlung umgeben. Das bleibt laut Kritiker nicht ohne Folge für die Menschen, Tiere und Pflanzen.
  • Wie kann man eine Strahlenbeslastung messen? Die Strahlungsbelastung einer Wohnung ist nur durch eine Messung feststellbar. Mit der Messung wird die Summe aller Strahlungsemissionen zu einem gewissen Zeitpunkt gemessen. Entweder man kauft sich ein eigenes Messgerät oder man lässt sich eine Messung durchführen. Die Dauer der Messung beträgt ca. 1 Stunde für eine Wohnung oder ein Haus.
  • Wann sollte man eine Messung durchführen?

* Messung der Strahlungsbelastung (Elektrosmog) vor dem Kauf einer Immobilie zB Haus, Eigentumswohnung, Betriebsgelände. Die Messungen sind im Schlafzimmer und Kinderzimmer besonders empfehlenswert. Man kann beispielsweise das Bett umstellen und so die Strahlungsbelastung der Eltern und Kinder reduzieren. Messungen der Strahlungsbelastung, wenn man sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr wohlfühlt und gar nicht weiß warum. Strahlung kann man nicht sehen, nicht hören und nicht riechen.

* Messung vor der Errichtung eines neuen Sendemasten bzw. neuer Sendeantennen. Dies könnte für eventuell später stattfindende Schadenersatzklagen gegen die Mobilfunkbetreiber ein wichtiges Beweismaterial darstellen.

  • Liegen schon Messungen für meine Gemeinde vor? Ja, für einige österreichische Gemeinden wurden Messungen durchgeführt.

Für folgende Gemeinden liegen bereits Messwerte und Auswertungen bzw. Grafiken vor:

Altmünster (OÖ), Amstetten (NÖ), Andau (B), Andrä-Wördern (NÖ), Apetlon (B), Bad Völsau (NÖ), Baden (NÖ), Böheimkirchen (NÖ), Breitenfurt (NÖ), Biedermannsdorf (NÖ), Brixen im Thale (T), Bruck a d Leitha (NÖ), Bruck a d Mur (Stmk), Deutsch-Wagram (NÖ), Donnerskirchen (B), Felixdorf (NÖ), Frauenkirchen (B), Friesach (K), Gablitz (NÖ), Gänserndorf (NÖ), Gmunden (OÖ), Groß-Enzersdorf (NÖ), Hagenbrunn (NÖ), Halbturn (B), Hollabrunn (NÖ), Illmitz (B), Judenburg (Stmk), Klosterneuburg (NÖ), Knittelfeld (Stmk), Königstetten (NÖ), Korneuburg (NÖ), Kundl (T), Langenlois (NÖ), Leoben (Stmk), Leobersdorf (NÖ),Linz (OÖ), Mauerbach (NÖ), Melk (NÖ), Mödling (NÖ), Mörbisch (B), Mürzzuschlag (Stmk), Neulengbach (NÖ), Pamhagen (B), Perchtoldsdorf (NÖ), Pfaffstätten (NÖ), Podersdorf (B), Pörtschach (K), Pressbaum (NÖ), Purkersdorf (NÖ), Rattenberg (T), Schwechat (NÖ), Sieghartskirchen (NÖ), St. Andrä (B), St. Michael (Stmk), St. Pölten (NÖ), Traun (OÖ), Tulln (NÖ), Tullnerbach (NÖ), Vösendorf (NÖ), Wien - 1230, Wiener Neustadt (NÖ), Wörgl (T), Wolfsgraben (NÖ);

  • Wie reagiert die österreichische Pollitik?

- 2. August 2007: Der Mobilfunksprecher der FPÖ-Wien Gemeinderat Toni Mahdalik fordert nachträgliche Genehmigungsverfahren für die 790 Mobilfunkanlagen auf den Dächern der Wiener Gemeindebauten

- 16. März 2007: In Perchtoldsdorf steht die Errichtung einer UMTS Sendeanlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses, als Rauchfang getarnt, unmittelbar bevor. Die Anrainer denken über eine Sammelklage nach.

- 13. Februar 2007: Die österreichischen Umweltanwaltschaften präsentierten Forderungen nach gesetzlichen Regelungen für die Aufstellung von Handymasten. Die Grünen schließen sich der Forderung an. Insbesondere müsse ein verbindlicher Immissionsgrenzwert für hochfrequente elektromagnetische Felder festgelegt werden und auch ein Verfahren zur Bewilligung der Aufstellung von Handymasten bei dem AnrainerInnen auch Parteienstellung haben. Diese Regelungen sind auf Bundesebene zu erlassen.

- September 2006: Neue Bauordnung wegen Handymasten tritt in OÖ in Kraft. Mit der neuen OÖ Bauordnung sollen die Anliegen der Anrainer von Handymasten besser vertreten werden, sagen LH-Stv. Franz Hiesl (ÖVP) und Rudi Anschober (Grüne). Damit will man "Nacht-und Neben-Aufstellaktionen" der Mobilfunkbetreiber verhindern. Baurechtlich wird die Landesregierung beim eigentlichen Thema, der Strahlenbelastung aber weiterhin keine Handhabe haben, sagte LH-Stv. Hiesl.

- Juli 2006: SPÖ Infrastruktur- und Verkehrssprecher Kurt Eder fordert im Nationalrat die Einführung von Grenzwerte für Mobilfunk.

- 15. Dezember 2005: NÖ Mobilfunkpakt: Mit Aufhebung des NÖ Sendeabgabengesetztes durch den NÖ Landtag am 15. Dezember 2005 trat der zwischen Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und den fünf in Niederösterreich tätigen Mobilfunkbetreibern vereinbarte Mobilfunkpakt in Kraft. Dieser beinhaltet:

* eine wesentliche Reduktion der bestehenden, einzelgenutzen Maststandorte um mindestens 400 durch Abbau, Verlegung oder Bündelung beim Neubau eine Mitwirkungsmöglichkeit der Gemeinde bei der Standortwahl und einen Mehrfachnutzungsanteil von mindestens 80 % bei Maststandorten

* die Weitergabe des Kostenvorteils an den Konsumenten, der durch die Mehrfachnutzung entsteht.

- 3.11. 2005: OGH-Urteil: In seiner Entscheidung hat der OGH laut Experten Arno F. Likar klargemacht, dass unter gewissen Umständen Schadenersatzforderungen von Anrainern geltend gemacht werden können. Durch Emissionen von Handymasten verursachte Schäden sind unter der Vorraussetzung des Verschuldens und der Rechtswidrigkeit nach allgemeinem Schadenersatzrecht zu ersetzen. Die Einhaltung der Grenzwerte schließt einen nachbarrechtlichen Anspruch auf Unterlassung und/oder Schadenersatz wegen Gesundheitsschädigung nicht aus, da zum einen nicht alle gesundheitsgefährdenden Wirkungen erfasst sind und zum anderen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen können, die Zweifel an der Richtigkeit der festgelegten Grenzwerte auslösen (wobei festzuhalten ist, dass bisher in Österreich keine öffentlich-rechtlichen Grenzwerte für elektro-magnetische Wellen im Verordnungsweg bindend festgelegt wurden). Die Behauptungs- und Beweislast liegt jedoch beim Geschädigten (Anrainer).

Laut diesem Urteil des Obersten Gerichtshofes besteht ein "Recht zur Gratisbenutzung" von Telekom-Einrichtungen. Abgeleitet wird dieses Recht von einem Präzedenzfall in Linz, wonach die Stadt Linz die Telekom Austria auf ausständige Zahlungen von Abgaben für aufgestellte Telefonzellen geklagt hat. Der OGH beurteilte so genannte "Gebrauchs- oder Benützungsabgaben" für rechtswidrig.




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