04. März 2008 11:35

Zweiter Nostradamus 

Astrologe sollte Hilters Gedanken vorhersagen

Der britische Geheimdienst MI5 beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs einen Astrologen, die die Gedanken Hitlers voraussagen sollte.

Astrologe sollte Hilters Gedanken vorhersagen
© AP Photo

Der britische Geheimdienst MI5 hat während des Zweiten Weltkriegs einen Astrologen beschäftigt, der den Spionen die merkwürdigen Gedanken und Pläne Adolf Hitlers vorhersagen sollte. Das geht aus am Dienstag erstmals veröffentlichten Geheimunterlagen hervor. Doch den Agenten war ihr Sternendeuter schon nach wenigen Jahren so lästig - und peinlich -, dass offen darüber nachgedacht wurde, wie man ihn loswerden könne, ohne dass das eigene Ansehen darunter leiden müsse.

Deutung Hitlers Sternenkonstellationen
Luis de Wohl, ein 1903 in Berlin geborener Bankangestellter, gab sich nach seiner Flucht nach Großbritannien manchmal als Spross einer ungarischen Adelsfamilie, dann wieder als Sohn eines Bankmagnaten aus. Viele sahen in ihm einen Scharlatan. 1937 schrieb er sein erstes astrologisches Buch "Ich folge meinen Sternen". Nach einer weiteren einschlägigen Veröffentlichung empfahl ihn schließlich eine spanische Gräfin an Außenminister Lord Halifax. De Wohl sollte aus Hitlers Sternenkonstellationen lesen.

Die Regierung Seiner Majestät mietete schließlich ein Appartement in einem Hotel an der luxuriösen Londoner Park Lane für ihn. Der Chef des eigens erfundenen "Büros für psychologische Forschung" schrieb eifrig astrologische Gutachten über Politiker der Alliierten und über Nazi-Größen.

Sollte USA von Kriegseintritt überzeugen
Mitte 1941 wurden de Wohl höchste Ehre zu Teil: Obwohl Premierminister Winston Churchill nicht an Astrologie glaubte, schickte er de Wohl als Teil einer Delegation in die USA, um die Regierung von Präsident Franklin D. Roosevelt zu überzeugen, in den Krieg gegen Achsenmächte einzutreten. Erfolglos, die USA erklärten Deutschland erst nach dem Bombardement Pearl Harbors durch die Japaner im Dezember 1941 den Krieg.

Schließlich peinlich für MI5
Schließlich wurde den Geheimdienstlern ihr Nostradamus lästig. In den Londoner Akten finden sich ab 1942 Diskussionen darüber, wie man ihn möglichst geräuschlos loswerden könnte. Ihn einsperren oder aufs Land schicken - zwei weitere Vorschläge wurden aus den Akten gestrichen.

Letztlich wurde der Weg des geringsten Widerstands gewählt: Seine Dienste wurden zwar nicht mehr genutzt, er wurde aber weiter dafür bezahlt, damit er schwieg und Großbritannien den Krieg ungestört und ohne Hilfe der Planeten weiterführen könnte.




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