09. Juli 2008 11:51

Wirbelfehlbildung 

Auch Dinosaurier hatten Rückenschmerzen

Nicht nur Menschen leiden unter Rückenschmerzen - auch Dinosaurier hatten schon vor rund 150 Millionen Jahren Probleme mit dem Rücken.

Auch Dinosaurier hatten Rückenschmerzen
© DPA

Das fanden Wissenschafter des Museums für Naturkunde Berlin, der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Universität Bonn jetzt heraus. Sie untersuchten einen Wirbel eines Dinosauriers mit Hilfe modernster Medizintechnik und stellten fest, dass der uralte "Patient" an einer angeborenen Wirbelfehlbildung litt.

Falsch zusammengewachsen
Demnach wuchs bei dem pflanzenfressenden, nur schafsgroßen Dysalotosaurus ein Wirbel falsch zusammen und bereitete dem behinderten Dino lebenslang Schmerzen. Diese heute auch bei Menschen als "hemimetamere Segmentverschiebung" bekannte Krankheit wurde damit erstmals bei Dinosauriern nachgewiesen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Anatomical Record".

Ungewöhnliche Fehlbildung
Der Wirbel des Dysalotosaurus wurde zusammen mit Hunderten weiteren Einzelknochen und Dutzenden Skeletten bereits vor rund 100 Jahren im heutigen Tansania gefunden. Auf den ersten Blick sei dieser Wirbel zwar unscheinbar, weise aber ungewöhnliche Fehlbildungen auf, teilte das Naturkundemuseum Berlin am Dienstag mit. Bisher konnten die Wissenschafter das Problem nicht genauer erklären, nun offenbarte jedoch eine Mikro-Computertomographie die sogenannte Halbwirbelbildung, die es auch bei menschlichen Neugeborenen gibt.

Die Ursache: In Embryonen entstehen die Wirbel aus zwei Anlagen, eine auf jeder Körperseite, die während des Wachstums miteinander verschmelzen. Kommt es bei diesem Prozess jedoch zu Fehlern, können Halbwirbel entstehen. Der Dinosaurier litt den Angaben zufolge unter einer besonderen Form der Fehlbildung, bei der nicht die direkt gegenüberliegenden, sondern die schräg gegenüberliegen Anlagen miteinander verschmolzen. Den Erkenntnissen der Wissenschafter zufolge litt der Dysalotosaurus außerdem unter einer schweren Skoliose (seitliche Verbiegung der Wirbelsäule) und wurde auch nicht sehr alt.

Menschen-Schmerzen bei allen Wirbeltieren
Diese Ergebnisse seien allerdings nicht nur ein Einblick in das persönliche Schicksal dieses speziellen Dinosauriers, erklärte das Team um den Paläontologen Florian Witzmann vom Museum für Naturkunde. "Sie zeigen vor allem, dass vom Menschen bekannte Fehlbildungen wie diese offenbar auf fundamentale Defekte im Entwicklungsprogramm zurückgehen, die bei allen Wirbeltieren auftreten können - auch bei denen, die viele Millionen Jahre vor der Erfindung des ergonomischen Bürostuhls ausgestorben sind."




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