17. August 2007 09:47

Kein Nutzen 

Baby-Lernvideos hemmen Sprachentwicklung

Vorlesen und Erzählen von Geschichten ist weit sinnvoller als das Zeigen von sogenannten Baby-Videos.

Baby-Lernvideos hemmen Sprachentwicklung
© www.photos.com

Sie heißen "Baby Einstein" oder "Brainy Baby", und schon der Titel lässt keinen Zweifel an ihrer Funktion: Derartige DVDs sind für Kleinkinder entwickelt und sollen die geistige Einwicklung der Kleinen anspornen. Aber die Videos halten nicht, was ihre Namen versprechen. Eine US-Studie zeigt, dass die vermeintlichen Lernmedien die Sprachentwicklung der Babys keineswegs anregen. Ganz im Gegenteil: Demnach schadet es Kindern sogar, solche DVDs zu sehen.

Idee aus den USA
Die Idee kommt ursprünglich aus den USA, wo sich Baby-Lernvideos zu einem umsatzträchtigen Markt entwickelt haben. "Bei meiner Arbeit fragen Eltern mich ständig nach dem Wert dieser Produkte", erzählt der Kinderarzt Dimitri Christakis von der Universität von Washington in Seattle und nimmt das Resultat der Untersuchung vorweg: "Die Hinweise häufen sich, dass sie keinen Nutzen haben und vielleicht sogar schädlich sind."

Christakis und seine Kollegen hatten für die Untersuchung mit mehr als 1.000 Familien gesprochen, die ein Kind unter dem Alter von zwei Jahren hatten. Sie fragten die Eltern nach dem Fernseh- und Videokonsum der Kleinen, ihren Erziehungsgewohnheiten und dem Wortschatz der Kinder. Ergebnis: In der Altersgruppe von acht bis 16 Monaten behinderten die Videos die Sprachentwicklung. Pro Stunde, die diese Kinder täglich vor solchen Lernvideos verbrachten, kannten sie durchschnittlich sechs bis acht Wörter weniger als Gleichaltrige ohne Zugang zu solchen Programmen. Bei Kindern im Alter von 17 bis 24 Monaten stellten die Forscher zwar keine nachteilige Wirkung fest, aber auch keinerlei Vorteil, wie das "Journal of Pediatrics" berichtet.

Kein Nutzen durch Videos
"Das wichtigste Resultat dieser Studie ist, dass nichts auf einen Nutzen solcher Baby DVDs und Videos hinweist, und dass es einige Indizien für eine Gefährdung gibt", sagt Untersuchungsleiter Frederick Zimmerman, den das Ergebnis nicht verwundert. Die Forscher betonen, dass Kleinkinder nur eine begrenzte Zeit aufmerksam und aufnahmefähig sind. Diese Zeit sollten sie nicht vor solchen Videos verbringen, sondern mit sprechenden echten Menschen.

"Eltern und Betreuer sind die ersten und besten Lehrer des Babys", erklärt der an der Untersuchung beteiligte Psychologe Andrew Meltzoff. "Sie passen Sprache, Blick und soziale Signale instinktiv an, um das Lernen von Sprache zu unterstützen." Dies vermittle den Kindern eine bessere linguistische Erfahrung als die Videos. Wer tatsächlich die Sprachentwicklung seines Kindes fördern möchte, sollte sich an ein altbewährtes Rezept halten: Denn die Studie ergab auch, dass das Vorlesen und das Erzählen von Geschichten den Wortschatz verbessern.




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