29. August 2007 16:14

Gerichtsmedizin 

Beethoven starb an einer Bleivergiftung

Laut einem Wiener Gerichtsmediziner haben bleihaltige Medikamente der Zirrhose-geschwächten Leber des Komponisten den Rest gegeben.

Beethoven starb an einer Bleivergiftung
© AP

Ein Wiener Gerichtsmediziner scheint nun die näheren Umstände um den Tod Ludwig van Beethovens aufgeklärt zu haben. Die Behandlung einer Lungenentzündung mit bleihaltigen Substanzen war der entscheidende Auslöser des Ablebens des Komponisten am 26. März 1827, meint Christian Reiter vom Institut für Gerichtlmedizin der Medizinischen Universität Wien. Er hatte Haarproben Beethovens untersucht.

Bleibehandlung damals üblich
Die Locken bieten wie eine Art "Zeitlineal" einen medizinischen Einblick in die letzten 400 Tage von Beethovens Leben, so Reiter. So konnte nachvollzogen werden, dass die Bleibelastung 111 Tage vor dessen Tod beginnt. Ab diesem Zeitpunkt behandelte Dr. Andreas Wawruch Beethovens Lungenentzündung mit schleimlösenden Bleisalzen. Die medizinische Literatur Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt, dass Behandlungen mit dem giftigen Schwermetall durchaus Heilung versprachen und üblich waren.

Heftige Nebenwirkung
Als Nebenwirkung dieser Behandlung sei aber eine starke Bauchwassersucht aufgetreten. Um Flüssigkeit abzulassen - der Patient "konnte kaum mehr atmen" - habe der Mediziner viermal punktieren müssen. Verklebt worden seien die Punktierungen mit Hilfe von Bleiseife. Diese habe den Vorteil, dass sie den Zutritt von Bakterien verhindere und desinfizierend wirke. Vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Mittel hält Reiter den Einsatz von Blei in der Vor-Antibiotika-Zeit durchaus für "eine gute Idee". Wie auch bei der Chemotherapie seien die Nebenwirkungen von Blei "das kleinere von zwei Übeln" gewesen.

Leber gab den Geist auf
Das entscheidende Kriterium für den Tod des Genies war aber die Leberzirrhose, an der Beethoven litt und von der Wawruch nichts wusste - erst bei der Obduktion des Leichnams wurde sie entdeckt. Wawruch sei daher keine Schuld zuzuweisen, dass das Blei der ohnehin geschwächten Leber des Komponisten den Rest gegeben hat.

Kein Alkoholiker
Die Zirrhose war zwar durch den Alkoholkonsum Beethovens begünstigt, dennoch glaubt Reiter nicht, dass der Komponist "exzessiv trank". Es sei wohl vor allem eine Hepatitis A gewesen, die seine Leber entscheidend geschwächt hatte. Beethoven schlief oft in Gasthäusern, hatte "nicht die besten Haushälterinnen": Mangelnde hygienische Verhältnisse waren wohl der Auslöser. Ohne Lungenentzündung und Bleibehandlung hätte er sehr wahrscheinlich noch einige Jahre länger gelebt, so der Gerichtsmediziner.

Der US-Forscher William Walsh hatte schon 2000 bekanntgeben, in Beethovens Haar eine enorm hohe Bleikonzentration gefunden zu haben. Reiters Ergebnisse wurden nun im "Beethoven Journal" veröffentlicht, das vom Ira F. Brilliant Center for Beethoven Studies an der San Jose State University in California herausgegeben wird. Abgeschlossen sind die Untersuchungen zu Beethovens Tod noch nicht. So sind noch einige Fragen offen, etwa nach der Herkunft des Bleis. Mit Ergebnissen sei "in ein bis zwei Jahren" zu rechnen, so Reiter.




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