07. November 2007 11:00

400 Bewerber 

Bewerber-Ansturm an "Elite-Uni"

Am I.S.T. Austria sind bereits rund 400 Bewerbungen für Forscherstellen eingegangen. 70 davon für die Stelle als Präsident.

Bewerber-Ansturm an "Elite-Uni"
© APA

Rund 400 Personen haben sich bisher für eine Forscher-Stelle an der geplanten Elite-Uni in Maria Gugging, dem Institute of Science and Technology; I.S.T. Austria), beworben. Die meisten davon arbeiten derzeit in Deutschland, gefolgt von den USA und Österreich, hieß es am Dienstag Abend bei einem Hintergrundgespräch des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten mit dem Präsidenten des wissenschaftlichen Beirats des I.S.T. Austria, Olaf Kübler. Der Frauenanteil beträgt rund 20 Prozent. An die 70 Personen haben sich für den Posten des I.S.T-Austria-Präsidenten beworben bzw. wurden dafür nominiert.

Berufungen für Erfolg besonders wichtig
Kübler war acht Jahre lang Präsident der ETH Zürich und ist in allen drei Gremien des I.S.T. Austria (Scientific Board, Executive Board, Board of Trustees) vertreten. Berufungen sind für ihn "das A und O" für den Erfolg der Einrichtung - "wenn die schief gehen, kann aus der Institution nichts Großartiges werden".

Bestenauswahl mit zwei Methoden
Derzeit suche man auf zwei Schienen - es gebe sowohl eine offene Recherche als auch eine strukturierte Suche. Letztere sei die traditionelle Vorgehensweise, bei der man in bestimmten Gebieten - das sind derzeit "Brain and Computer", quantitative Biologie und Materialwissenschaften - die besten Leute requirieren will. Dem gegenüber steht ein offener Prozess, bei dem sich Top-Wissenschafter aus allen Gebieten bewerben können. Letzterer helfe etwa auch zu erkennen, wo es derzeit spannende wissenschaftliche Themen gebe.

"Liebeswerden" für 5 bis 15 Stellen
Derzeit bestehe es eine Konkurrenz zwischen den beiden Vorgangsweisen, so Kübler. "Wir werden in Bälde erfahren, in welchem Umfang wir Leute weglocken können von ihren sehr guten Umständen." Denn: "Die Leute, die wir suchen, haben Optionen. Die müssen nicht zu uns kommen, die können." Es werde ein "Liebeswerben" um die Forscher geben. Im ersten Jahr werden laut den beiden I.S.T.-Austria-Managern Gerald Murauer und Laurenz Niel vermutlich rund 15 wissenschaftliche Stellen besetzt - man könne aber durchaus nur fünf Personen berufen. Anschließend werde laufend ausgeschrieben, die Suche immer strukturierter und die bestehenden Professoren mit einbezogen.

"Sehr diskret handhaben" will Kübler die Suche nach dem I.S.T. Austria-Leiter. Dabei dürfe man sich "nicht hetzen lassen": "Wir sind mit Energie dran - wenn aber die Qualität bzw. Charakterzüge nicht stimmen, ist es besser weiterzusuchen." Eine Entscheidung in diesem Jahr sei unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

"Bedingungsloses Streben nach Qualität"
Generell hält Kübler auch in Österreich eine Forschungs-Einrichtung, die sich mit den Top-Institutionen messen kann, für möglich. Als Erfolgsrezepte der ETH Zürich nannte er deren Autonomie und das "bedingungslose Streben nach Qualität". Es habe seit der Entstehungszeit im 19. Jahrhundert nur sehr wenige Kompromisse bezüglich Freundschaften, Seilschaften und Landsmannschaften gegeben. Die ETH habe immer völlig unabhängig von Nationalität und Weltanschauung operieren können sowie von einer gut laufenden Wirtschaft profitiert.

Das I.S.T. Austria selbst sieht Kübler als "sehr großes Max-Planck-Institut mit Promotionsberechtigung". Der Ruhm einer Top-Einrichtung wird seiner Ansicht nach durch die Qualität der Absolventen begründet - und weniger in Nobelpreisen. Diese seien nämlich "Extremereignisse wie ein Tsunami".




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