09. März 2008 12:13

Zeitgeschichte 

Biografie von KZ-Überlebenden erschienen

60 Jahre lang verschollene Briefe aus der Gefangenschaft aufgetaucht - Leopold Engleitner veröffentlicht Biografie.

Biografie von KZ-Überlebenden erschienen
© APA

Die Biografie von Österreichs ältestem KZ-Überlebenden, dem 102-jährigen Leopold Engleitner, ist erschienen. 60 Jahre lang verschollene Briefe, die Engleitner aus der Gefangenschaft geschrieben hatte, hat der Autor Bernhard Rammerstorfer zusammengetragen und in die Publikation eingebaut. Das Buch, das am Samstag in Puchenau in Oberösterreich präsentiert wurde, trägt den Titel "Ungebrochener Wille" und erzählt aus dem Leben des Zeugen Jehovas und NS-Wehrdienstverweigerers - von der Monarchie bis in die Nachkriegszeit.

Engleitner, 1905 in Strobl am Wolfgangsee geboren, wuchs in der Kaiserstadt Bad Ischl auf. Viele seiner Kindheitserinnerungen sind traumatisch: Ein verkrümmter Rücken brachte ihm Spott und Ablehnung ein. Der Prunk der Monarchie störte ihn angesichts der bitteren Armut des Volkes, und als im Ersten Weltkrieg Glocken zu Kriegsgerät verarbeitet wurden, verlor er sein Vertrauen in die Kirche.

Ungebrochener Wiederstand
Dem Nationalsozialismus stellte sich der einfache Bauernknecht - mittlerweile Zeuge Jehovas - mutig entgegen. Er grüßte nicht mit "Heil Hitler!" und schwor seiner religiösen Überzeugung nicht ab. Bald geriet der, so die Nazi-Diktion, "Bibelforscher" ins Visier der Gestapo und wurde verhaftet. Obwohl er in den Konzentrationslagern Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück unbeschreibliches Leid ertragen musste und bis auf 28 Kilo abmagerte, ließ sich sein Optimismus nicht brechen. Er kaufte sich im KZ sogar einen Koffer für die - unmöglich scheinende - Heimreise.

Engagement gegen das vergessen
Engleitner überlebte und wurde im Juli 1943 in die Zwangsarbeit entlassen. Als er 1945 doch noch den Einberufungsbefehl erhielt, floh er ins Gebirge und versteckte sich wochenlang in einer Höhle und später in einer Almhütte. Aber auch nach Kriegsende war er wegen seines Glaubens oft mit Ablehnung konfrontiert. Unterstützung bekam er von einem ehemaligen Leidensgenossen: Im KZ Buchenwald hatte er den von den Nazis abgesetzten oberösterreichischen Landeshauptmann Heinrich Gleißner kennengelernt, der dieses Amt nach dem Krieg weitere 26 Jahre (1945 bis 1971) ausübte. Im hohen Alter begann Engleitner, sich gegen das Vergessen zu engagieren, mit 101 Jahren ging er auf Vortragsreise durch die USA.

Wertvolle Zeitzeugnisse gesichert
Bernhard Rammerstorfer hat in diversen Archiven gestöbert und 60 Jahre lang verschollene Briefe aus dem Opferfürsorgeakt Engleitners wiedergefunden. Die erschütternden Tatsachenberichte, die ansonsten nach dem Tod des 102-Jährigen vernichtet worden wären, sind nun Teil des Buches. Der Autor erzählt auch vom Schicksal anderer Zeitzeugen, etwa des jüdischen Geschäftsmannes Ernst Morgenstern aus Bad Ischl, der dem mittellosen Engleitner einmal eine dringend benötigte Hose günstig zukommen ließ.

Die Geschichte von Österreichs ältestem KZ-Überlebenden ist auch als Video bzw. DVD erhältlich.

Bernhard Rammerstorfer: "Ungebrochener Wille", 448 Seiten, Eigenverlag, ISBN 978-3-9502462-0-9; 24,90 Euro




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