11. Oktober 2007 13:53

Wissenslücken 

Broukal und Holender bekannteste "Forscher"

Laut einer Umfrage zählen Staatsoperndirektor Ioan Holender und SPÖ-Bildungssprecher Josef Broukal zur Creme de la Creme der heimischen Forschung.

Broukal und Holender bekannteste "Forscher"
© APA

Zwei Drittel der im Auftrag des Wissenschaftsministerium getätigten Umfrage Befragten konnten keinen einzigen österreichischen Forscher nennen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) schloss am Donnerstag bei der Präsentation der Umfrage daraus, dass mehr getan werden müsse, um die Forschung zu popularisieren.

Immerhin: Zeilinger bei einigen bekannt
Für die Wahl zum "Pin-Up der Forschung" wurden im August telefonisch 1.000 wahlberechtigte Österreicher befragt. Von ihnen konnte nur ein Drittel einen österreichischen Forscher benennen - oder zumindest, wen sie für einen solchen hielten (offene Fragestellung). Dabei landete der Quantenphysiker Anton Zeilinger mit elf Prozent auf Platz eins, gefolgt von SPÖ-Wissenschaftssprecher und Ex-"Modern Times"-Präsentator Josef Broukal. Platz drei belegte der Unterwasserforscher Hans Hass (beide knapp über sechs Prozent), auf Rang vier landete Staatsoperndirektor Ioan Holender (5,5 Prozent). Anschließend folgten die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, der Molekularbiologe Josef Penninger, die Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny, der Philosoph Konrad Paul Liessmann, der Mathematiker Rudolf Taschner und der schon lange verstorbene Verhaltensforscher Konrad Lorenz.

Broukal Forscher Nummer 1
Noch skurriler die Ergebnisse der ebenfalls durchgeführten gestützten Abfrage (Namen wurden vorgegeben, Anm.): "Absolutes Pin-Up der Forschung" wurde laut Hahn dabei Broukal vor Holender, Hass, Zeilinger und Nowotny. Die Nennung Broukals als ehemaliger "Mr. Forschung des ORF" und von Hass konnte sich der Minister noch erklären - "aber Holender ?" Die prominente Platzierung Nowotnys führte Hahn auf die Namensgleichheit mit dem Bawag-Chef zurück, Konrad Lorenz ("dem tut auch schon einige Jahre nichts mehr weh") und Hass seien offenbar vor allem Älteren ein Begriff gewesen.

Auch auf anderen Gebieten zeigten die Österreicher Lücken: Auf die Frage nach einem Forschungsergebnis, das sie besonders fasziniert oder beeindruckt hat, konnten 60 Prozent keine Antwort geben. Der Rest gab laut Hahn vor allem "diffuse Antworten": Am häufigsten wurden "Medizin allgemein" (5,6 Prozent) und "Krebsforschung bzw. Onkologie" (fünf Prozent) genannt, vier Prozent benannten diverse Teilgebiete der Medizin. Immerhin 3,3 Prozent war die Quantenphysik bzw. "Beamen" ein Begriff. Insgesamt fühlen sich die Österreicher von den Medien nicht ausreichend über Forschung informiert: 64 Prozent meinten, dass eher zu wenig darüber berichtet wird, 28 Prozent halten die Berichterstattung für ausreichend (acht Prozent gaben keine Antwort).

Hoffnung auf Nobelpreisträger
Für Hahn zeigt die Umfrage, dass man in der Wissenschaft Personen brauche, die auch "Forschungsverkäufer" sind und der Forschung ein Gesicht geben. In der Bevölkerung gebe es nur ein "vages Grundverständnis, was Forschung bewirken kann". Er hoffe, dass Österreicher in den nächsten zehn Jahren wieder einen Nobelpreisträger hervorbringt - "wir brauchen so einen Leuchtturm". Das Wissenschaftsministerium selbst hat zuletzt das mit bis zu drei Mio. Euro jährlich dotierte Projekt "Sparkling Science" ins Leben gerufen. Damit werden Kooperationen gefördert, mit denen Jugendliche aktiv in aktuelle Forschungsprojekte eingebunden werden. Bei seinen eigenen medialen Auftritten will Hahn immer wieder junge Forscher ihre Arbeit erklären lassen. Schließlich sollen die Förderungen für die diversen Kinderunis verdoppelt werden.




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