10. Oktober 2007 11:54

Auszeichnung 

Chemie-Nobelpreis an Deutschen

Gerhard Ertl erhält für seine Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen den Chemie-Nobelpreis 2007.

Chemie-Nobelpreis an Deutschen
© AFP

Der diesjährige Chemie-Nobelpreisträger Gerhard Ertl, der die Auszeichnung exakt an seinem 71. Geburtstag heute, Mittwoch, zuerkannt bekam, ist emeritierter Professor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, das er von 1986 bis 2004 leitete. In seinen Arbeiten aus den 1970er- und 1980er-Jahren ist es ihm gelungen, den Ablauf mehrerer wichtiger chemischer Reaktionen auf Oberflächen im Detail zu beschreiben. Damit hat er die Grundlage für die moderne Oberflächenchemie geschaffen.

Warum Eisen rostet
Diese Wissenschaft sei wichtig für die chemische Industrie und helfe beim Verständnis so unterschiedlicher Vorgänge wie dem Rosten von Eisen, dem Funktionieren von Brennstoffzellen und der Wirkung eines Katalysators im Auto, begründet das Nobelpreiskomitee die Auszeichnung Ertls. Dementsprechend häufig sind Anwendungen der Oberflächenchemie, etwa bei Katalysatoren in vielen industriellen Verfahren, z.B. bei der Herstellung von Kunstdünger, oder der Halbleiterindustrie. Mit der Oberflächenchemie lasse sich sogar der Abbau der Ozonschicht erklären, da entscheidende Schritte in der Reaktion auf der Oberfläche kleiner Eiskristalle in der Stratosphäre erfolgen.

Einer der ersten
Die moderne Oberflächenchemie begann sich in den 1960er Jahren insbesondere dank der in der Halbleiterindustrie entwickelten Techniken als Wissenschaft herauszubilden. "Gerhard Ertl war einer der ersten, der das Potenzial dieser neuen Techniken erkannte", heißt es seitens des Nobelpreiskomitees. Er habe schrittweise eine Methodik für die Oberflächenchemie entwickelt, indem er aufzeigte, wie verschiedene experimentelle Techniken verwendet werden können, um ein vollständiges Bild einer Oberflächenreaktion zu erhalten. Erforderlich dafür ist eine ausgereifte technische Ausstattung für Hochvakuum, um zu beobachten, wie sich einzelne Schichten von Atomen und Molekülen auf einer extrem reinen Oberfläche aus beispielsweise Metall verhalten. Jede Verunreinigung kann dabei die gesamte Messung zerstören. Ertls Methodik findet laut Nobel-Komitee Anwendung sowohl in der akademischen Forschung wie auch in der Entwicklung von Verfahren in der chemischen Industrie.

Ertl, seit 2001 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wurde - so wie die beiden diesjährigen Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg und Albert Fert - mit dem renommierten israelischen Wolf Prize sowie dem ebenso anerkannten Japan-Preis ausgezeichnet, die sich damit einmal mehr als zuverlässige Nobelpreis-Indikatoren erwiesen haben. Den Wolf-Preis erhielt Ertl 1998, den Japan-Preis 1992.

Sprachlos
Ertl sagte der Nachrichtenagentur AP in Berlin, er sei sprachlos. Er habe mit dieser Ehrung nicht gerechnet. Zwar sei ihm bewusst gewesen, dass er zu den Kandidaten gehört habe, erklärte der Chemiker. Trotzdem habe es ihm die Sprache verschlagen, als er erfahren habe, dass er den Preis gewonnen habe. Immerhin habe er vom Preiskomitee 20 Minuten Zeit bekommen, sich zu sammeln und sich auf den Presseansturm einzustellen. Jetzt klingle das Telefon ohne Unterlass. Alle seine Mitarbeiter hätten sich auf dem Gang vor seinem Büro versammelt, um mit ihm mit Sekt auf den Nobelpreis anzustoßen.




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