21. Juli 2008 16:03

Genetik 

Darum sind Lipizzaner weiß

Das Geheimnis der Lipizzaner ist gelüftet. Wissenschaftler haben nun entdeckt, wieso die Pferde weiß werden. Es liegt am Chromosom 25.

Darum sind Lipizzaner weiß
© APA/Gindl

Mozartkugeln und Lipizzaner: Was die Süßigkeit speziell ausmacht, kann jeder Konsument einfach ergründen. Doch was das Ergrauen der Schimmel - und gleichwohl österreichisches "Markenzeichen" - schon in ihrer Jugend war bisher ein wissenschaftliches Rätsel. Jetzt ist es geklärt. Am Sonntag wurde von der Fachzeitschrift "Nature Genetics" die Arbeit eines internationalen Wissenschafterteams veröffentlicht, wonach Veränderungen auf dem Chromosom 25 der Pferde für den Weißhaar-Effekt verantwortlich ist - und für das häufige Auftreten von Melanomen bei Lipizzanern und anderen Schimmeln.

Sagenumwobene Tiere
Weiße Pferde haben die Menschheit von von alters her begleitet. Sie werden färbig geboren, verlieren dann aber im Alter zwischen sechs und acht Jahren die Haarfarbe. Die Haut weist aber weiterhin Pigmente auf. Pegasus, das weiße fliegende Pferd der alten Griechen, das Einhorn der Sagen - weiße Pferden waren Mythos und Statussymbol. Immerhin hielt sich sich schon der Perserkönig Xerxes (519 bis 465 v. Christus) heilige weiße Pferde. Das österreichische setzte mit den Lipizzanern auf die "Kaiserschimmel" und gründete um 1580 seine Zucht.

Ein besonderes Merkmal der grauen bzw. weißen Pferde, so Leif Andersson von der Abteilung für medizinische Biochemie und Mikrobiologie der schwedischen Universitäts Uppsala ("Nature Genetics"): "Schimmel zeigen eine sehr große Häufigkeit von Melanomerkrankungen der Haut (70 bis 80 Prozent der Pferde im Alter über 15 Jahren haben Melanom-Erkrankungen) bei einer verringerten Überlebensdauer."

Erkrankung realtiv ungefährlich
Freilich, im Gegensatz zum Menschen sind die Melanom-Erkrankungen der Pferde für sie relativ ungefährlich. Monika Seltenhammer, Co-Autorin von der Abteilung für Klinische Chirurgie und Ophthalmologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien: "Treten diese Melanome spät auf, ist es für die Pferde praktisch egal. Es kommt kaum zu einer schnellen Metastasierung (Tochtergeschwülste, Anm.) wie beim Menschen."

Jetzt aber haben die Gen-Forscher nach der Untersuchung von mehr als 800 weißen Pferden aus acht verschiedenen Züchtungen (darunter auch der Lipizzaner) die Ursache des schnellen Ergrauens der Tiere: Die dafür verantwortliche Mutation befindet sich auf Chromsom 25 des Pferde-Erbguts. Es handelt sich um die Verdoppelung eines 4.600 Basenpaare langen Abschnitts. Er führt zu einer vermehrten Expression (Aktivität) der beiden benachbarten Gene STX17 und NR4A3. Die Tiere wurden zum Teil wiederholt untersucht und fotografiert, um das Tempo des Ergrauens und Melanome oder auch Depigmentierungen der Haut zu registrierten.

Langfristige Untersuchungen
Die Tiere wurden zum Teil wiederholt untersucht und fotografiert, um das Tempo des Ergrauens und Melanome oder auch Depigmentierungen der Haut zu registrieren. Laut Monika Seltenhammer von der Universität für Veterinärmedizinin Wien stellt man sich den Effekt der mutierten Erbanlagen bei den weißen Pferden so vor: "Diese genetische Veränderung führt zu einer rascheren Vermehrung der Melanozyten (pigmentierte Hautzellen, Anm.). Für sie findet sich im Haarbalg ein Reservoir an Stammzellen. Aber diese Stammzellen sind dann eben früher verbraucht."

Dadurch fehlt dem Haar der Pferde bald der Farbstoff. Die große Melanom-Häufigkeit könnte ebenfalls auf das schnellere Wachstum der Melanozyten in der Haut zurückzuführen sein. Vermehrtes Zellwachstum birgt auch die Gefahr von bösartigen Veränderungen in sich.

Weiterhin könnten derartige Arbeiten Konsequenzen auch für die Therapiemöglichkeiten bei Melanomerkrankungen des Menschen haben. Dazu müsste man eben möglichst viele Mechanismen verstehen, die zu solchen Leiden führen.




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