04. Februar 2008 09:44

Gesundheitsrisiko 

Das Schnitzel ist ein Klimakiller

Fleisch zählt zu den beliebtesten Lebensmitteln. Doch Experten schlagen Alarm: Faschiertes, Hendl, Schnitzel und Co. sind wahre Klimakiller.

Das Schnitzel ist ein Klimakiller
© APA

Viele Menschen können einfach nicht genug davon bekommen: Fleisch zählt schon jetzt rund um den Globus zu den beliebtesten Lebensmitteln, und die Nachfrage nach Steak, Faschiertem und Hendl wächst und wächst. Nach Zahlen der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) in Paris wird der Verzehr von tierischen Produkten bis 2020 weltweit noch einmal um 50 Prozent steigen. Doch Experten schlugen Ende Jänner Alarm. Sie wissen, dass ein noch höherer Fleischkonsum beträchtliche Risiken für Gesundheit und Umwelt mit sich bringt.

Höheres Transportaufkommen
Vor allem an aufstrebenden Ländern wie China und Indien liegt es, dass immer mehr Fleisch konsumiert wird. Und wegen der wachsenden Nachfrage müssen immer mehr tierische Lebensmittel transportiert werden. "Hier bestehen gesundheitliche Risiken, denn die Produkte sind schneller im Umlauf als die Inkubationszeit von Krankheiten beträgt", sagt Jean-Luc Angot, der stellvertretende Generaldirektor der in Paris ansässigen OIE.

Aber auch die Erderwärmung, Umbrüche im Ökosystem und veränderte Essgewohnheiten setzen Menschen und Zuchttiere neuen Krankheitserregern aus. Die Blauzungenkrankheit, eine virale Infektionskrankheit von Wiederkäuern, grassiere beispielsweise in Regionen wie Nordeuropa, wo sie laut Angot bisher nicht vorkam und man sie bis heute als eine Tropenkrankheit betrachtet.

Wälder abgeholzt
Vom Menschen herbeigeführte Veränderungen im Ökosystem können fatale Folgen haben, wie Wissenschafter nachweisen konnten. Ende der 90er Jahre beispielsweise wurden in Malaysia Wälder abgeholzt. Die von dort vertriebenen Fledermäuse infizierten Schweine mit einem gefährlichen Erreger. Ganze Schweinebestände wurden dadurch ausgerottet, 300 Menschen kamen zu Tode. Infektiöse Fiebererkrankungen wie Ebola, die von Affen auf den Menschen übertragen werden, sind nach Ansicht von Forschern ebenfalls eine Folge der Entwaldung in Afrika.

Auch veränderte Essgewohnheiten können krank machen. So könnte das Aids-Virus durch den Verzehr von infiziertem Schimpansenfleisch auf den Menschen übergesprungen sein. Das zumindest besagt eine seriöse, wissenschaftliche Hypothese, die allerdings noch nicht belegt werden konnte. Mit Sorge betrachten Experten auch die weltweit wachsenden Geflügelbestände. Sie sehen ein steigendes Risiko, dass ein Vogelgrippevirus eines Tages mutieren und sich verheerend von Mensch zu Mensch verbreiten könnte.

Fäkalien als Gesundheitsrisiko
In Südostasien, China und Indien ist die industrielle Massentierhaltung zu einem großen Problem geworden, wie Andre Pfimlin, Forschungsbeauftragter des Pariser Tierzucht-Instituts, berichtet. Die tierischen Fäkalien in den großen Zuchtbetrieben vor den Toren der Städte könnten kaum noch entsorgt werden und stellten ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Rinderzucht besonders gefährlich
Als gefährlicher Klimakiller erweist sich vor allem die Rinderzucht. Ende vergangenen Jahres hatte die UN-Ernährungsorganisation FAO in einem Bericht ausgerechnet, dass Rinder mehr Treibhausgas produzieren als Autos. Das Methan, das den Tieren bei der Verdauung in großen Mengen entweicht, heize die Atmosphäre mehr auf als CO2. Der Bericht stellt auch fest, dass ein großer Teil dieser Emissionen durch die Weidezucht entsteht. Sie wird von den bitterarmen Bevölkerungsschichten in der Sahelzone oder in Zentralasien praktiziert, die auf ihr Vieh angewiesen sind, um zu überleben.

Der Handlungsspielraum zur Verringerung der Methan-Emissionen sei gering, räumt Pfimlin ein. Doch wenn alle Zuchtsysteme ihren Umgang mit den Tierfäkalien und ihre Düngung optimierten, könne Geld gespart und zugleich die Verschmutzung von Wasser und Luft gemindert werden. Der Wissenschafter sieht aber auch mit Sorge, dass in den tropischen Zonen immer mehr Wälder der weltweiten Gier nach Fleisch zum Opfer fallen. "Wenn in Brasilien und Mittelamerika, aber auch in Indonesien Wälder abgebrannt werden, wird dort sehr oft Viehzucht betrieben." Oder es werde Soja angebaut, um damit wieder Schweine und Geflügel zu mästen.




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