27. November 2008 11:03

Gehirnstrom-Messung 

Das Wort "Telefon" lässt das Gehirn klingeln

Wichtige Erkenntnis für Kindererziehung: Hirnforscher haben herausgefunden, wie das menschliche Gehirn die Bedeutung von Wörtern erfasst.

Das Wort "Telefon" lässt das Gehirn klingeln
© sxc

"Schon beim Lesen des Wortes Telefon klingelt es im Kopf", sagte Psychologe Markus Kiefer. Ohne die Verknüpfung mit einer Sinneswahrnehmung kann ein Wort nicht richtig verstanden werden, schreiben die Wissenschafter im "Journal of Neuroscience". Damit ist die herrschende Lehrmeinung widerlegt, wonach Begriffe im Gehirn abstrakt weiterverarbeitet werden.

Messung vonGehirnströmen
Für die Studie haben die Forscher Gehirnströme von Probanden beim Lesen von Wörtern gemessen. Beim Lesen von Begriffen, die für einen hörbaren Gegenstand wie etwa das Telefon stehen, seien die Bereiche im Gehirn aktiviert worden, die sonst für das Hören zuständig sind.

Learning by Doing
Die Studie liefere auch wichtige Erkenntnisse für die Erziehung von Kindern. "Begriffe sind verarmt, wenn während des Lernens nie die Möglichkeit bestand, die Gegenstände auch zu hören, zu sehen, zu riechen und zu fühlen", sagte Kiefer. Wenn Kinder Tiere oder Pflanzen nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern kennen, blieben die Begriffe für sie abstrakt und unverständlich.

Wichtig für das Verständnis
Die Ulmer Forscher gehen davon aus, dass selbst Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Optionsschein letztlich mit einer Sinneswahrnehmung verknüpft sind. Fehlen diese Verknüpfungen, fehle auch das Verständnis. Als Beispiel nannte Kiefer die derzeitige Finanzkrise. "Ein Optionsschein an der Börse ist dann nur ein Blatt Papier, dessen Bedeutung für die realen Finanzmärkte nur unvollständig nachvollzogen werden kann. Da klingelt nichts im Kopf", sagte er.




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