15. Oktober 2007 15:07

Kongress in Wien 

Depressive leiden häufiger an Herzerkrankungen

In Wien tagen die Neuropsychopharmakologen. Die Wechselwirkung von Depression und Herzkrankheiten steht im Mittelpunkt der Tagung.

Depressive leiden häufiger an Herzerkrankungen
© ©Wild & Team-Fotoagentur / Martin Schalk

Depressive leiden häufiger an Herzerkrankungen. Herzerkrankungen machen depressiv: Beide Faktoren sind buchstäblich ein teuflisches Paar. Einerseits erkranken Depressive häufiger auch an akuten Herzkrankheiten, andererseits verursachen diese wiederum selbst depressive Symptome, erklärte am Montag bei einer Pressekonferenz beim Europäischen Kongress für Neuropsychopharmakologie in Wien (bis 17. Oktober) der US-Experte Alexander Glassmann.

"Seit Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde in verschiedenen Studien bei Krankenhauspatienten mit koronarer Herzkrankheit eine Prävalenz (Häufigkeit, Anm.) schwerer Depressionen zwischen 17 und 27 Prozent gefunden", stellte der Fachmann fest.

Doppeltes Risiko
Auf der anderen Seite: Wer nach einem ersten Herzinfarkt an Depressionen leidet, hat laut einer Analyse von Experten der Universität Groningen in den Niederlanden im Jahr 2005 das doppelte Risiko, einen weiteren Infarkt zu erleiden. Laut einer Untersuchung von Glassmann aus dem Jahr 2007 kann das sogar zur dreifachen Gefährdung führen. Gleichzeitig stehen wiederum gerade akute Herzerkrankungen im Verdacht, auch depressive Zustandsbilder zu verursachen.

Die Ursachen dürften vielschichtig sein. Bei Menschen mit Depressionen können einerseits Störungen des vegetativen Nervensystems zu einem höheren Blutdruck und damit zu einer größeren Gefährdung führen. Daneben ist bekannt, dass Patienten mit solchen psychischen Störungen wesentlich weniger motiviert sind, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Bei bereits Herzkranken kann eine Depression auch die Regelmäßigkeit der Einnahme der notwendigen Medikamente negativ beeinflussen.

Therapie
Fazit: Depressionen gehören behandelt. Bei Herzkranken mit nachfolgender Depression sollte ebenfalls eine Therapie erfolgen. Glassmann und sein Team konnten bereits im Jahr 2002 zeigen, dass die Behandlung von Infarktpatienten mit einem gängigen Antidepressivum deren Mortalität und die Häufigkeit erneuter akuter Zwischenfälle senkte. Gleichzeitig bessere sich natürlich auch der psychische Zustand der Betroffenen.

Für den Zusammenhang gibt es möglicherweise auch eine handfeste physische Erklärung. Nach einem Herzinfarkt erhöht sich bei den Betroffenen bis zu drei Monat lang die Variabilität der Herzfrequenz. Phasen sehr unterschiedlich hoher Herzfrequenz bedeuten ein größeres Sterberisiko. Bei depressiven Menschen nach einem akuten Koronarsyndrom normalisiert sich das langsamer als bei Patienten ohne diese psychischen Probleme.




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