28. Dezember 2008 12:09

Zukunftsforscher 

Der Mensch im Jahr 2030

Den festen Arbeitsplatz für ein ganzes Berufsleben wird es künftig nicht mehr geben. Die Trends von heute werden sich bis 2030 verfestigen.

Der Mensch im Jahr 2030
© dpa

Das prognostiziert der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski. Die Zahl der Leiharbeiter, Zweitjobs und Armutsarbeitsplätze werde zunehmen, der Mensch sei stärker als heute gefordert, den Berufsmöglichkeiten hinterherzufahren. "Die Hälfte der Mitarbeiter verdient doppelt so viel und muss dafür dreimal so viel leisten wie früher", schreibt der Wissenschaftler in seinem Buch "Deutschland 2030 - wie wir in Zukunft leben".

Wir werden immer älter und müssen immer länger arbeiten
Die Gesellschaft wird immer älter, das heißt: länger arbeiten, neue Karriere mit 50, damit die Renten auch bezahlt werden können. Ältere Menschen haben ein anderes Freizeitverhalten, die Tourismusindustrie wird sich auf die, dann allerdings im Vergleich zu heute noch fitteren Senioren einzustellen haben.

Die Entwicklung zur Zweiklassen-Gesellschaft werde allerdings anhalten. Armut, die man nicht sieht, wird laut Opaschowski in Zukunft dauerhaft präsent sein. Daneben wird es jene Menschen geben, die sich praktisch alles leisten können. Die Mittelschicht wird kleiner.

2030 stehen ebenso viele Frauen wie Männer im Berufsleben
Das bedeutet weniger Karrierechancen für Männer, allerdings auch einen Wandel in der Berufsauffassung: Nicht mehr der Job ist das Leben, sondern das Private, das Leben insgesamt wird wichtig, insbesondere das Er-Leben. Künstliche Erlebniswelten bieten dem das Virtuelle mit dem Realen vermischenden Menschen von übermorgen immer mehr inszenierte Paradiese. Die Freizeit spielt eine wichtigere Rolle als heute - und der Sinn, den man ihr gibt.

Das Leben wird schneller
Wellness wird sich weiter ausbreiten und auch mentale Entspannung mit einschließen. Denn insgesamt wird das Leben schneller, der Mensch der nahen Zukunft will nichts versäumen, ist permanent vernetzt und benutzt mehrere Medien gleichzeitig. Man ist mobil und unabhängig, zappt nicht nur von einem Fernsehprogramm zum nächsten, sondern auch von einer Unterhaltung zur anderen.

Das bekommen - neben Parteien und Gewerkschaften - die traditionellen Sportvereine zu spüren: Der Mensch von 2030 ist individueller, macht zwar gerne etwas gemeinsam, genießt den Spaß an der Darbietung, denn auch Sport wird zum Event, aber er lässt sich nicht gerne festlegen. Daraus folgen weniger institutionalisierte Bindungen.

Keine virtuelle Revolution
Der Zukunftsforscher Opaschowski prophezeit keine epochalen Veränderungen, angesagte virtuelle Revolutionen werden nicht stattfinden: So soll es seiner Ansicht nach auch weiterhin Zeitungen und Bücher geben, das papierlose Büro ist für ihn Illusion. Auch der gefürchtete Generationenkonflikt wird laut Opaschowski ausbleiben. Informelle Bindungen würden künftig den anonymen Generationenvertrag ergänzen: Vier, fünf Generationen in einer Familie werden in einigen Jahren keine Seltenheit sein - mehr vertikal als horizontal gegliedert, also weniger Verwandte auf Geschwisterebene, mehr Urgroßeltern. Sie alle werden zwar meist nicht mehr unter einem Dach wohnen, der Zusammenhalt, die Sorge füreinander, werde aber zunehmen.

Manche Prognosen stützt der Forscher auf die Entwicklung von wiederkehrenden repräsentativen Umfragen. Dies lässt allerdings die Möglichkeit von die Welt verändernden Naturkatastrophen ebenso unberücksichtigt wie von einschneidenden, unvorherzusehenden Erfindungen. Opaschowski entwickelt keine Szenarien, lässt auch die Veränderungen durch Migration fast unberücksichtigt, sondern schreibt Entwicklungen linear fort. Für Überraschungen ist da kein Platz.




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