24. Februar 2008 12:14

Hirnforschung 

Diagnose von Alzheimer vor dem Ausbruch

Hirnforscher arbeiten an einem Computerprogramm zur Früherkennung von Alzheimer-Demenz.

Diagnose von Alzheimer vor dem Ausbruch
© APA

Der Topf auf dem Herd wurde schon öfter vergessen. Wenn jemand aber vergisst, dass er mit dem Topf gekocht hat, sollten bei Angehörigen die Alarmglocken läuten. Leichte Gedächtnisstörungen oder unerklärliche Verwirrungszustände können erste Anzeichen für die gefürchtete Alzheimer-Demenz sein. Bis die Krankheit tatsächlich ausbricht, können noch Jahre vergehen. Dann aber ist das Gehirn schon schwer geschädigt. Die Möglichkeit der modernen Medizin sind sehr begrenzt: Denn die Alzheimer-Demenz ist bis heute noch nicht heilbar.

Alzheimer-Früherkennung
Am Universitätsklinikum Jena will ein Team von Hirnforschern um Christian Gaser als eine der ersten in Deutschland ein Computerprogramm zur Früherkennung von Alzheimer-Demenz entwickeln. Mit diesem Programm wird es Ärzten möglich sein, ohne Eingriff die noch unsichtbaren Veränderungen des Gehirns in den Vorstufen der Krankheiten schnell und relativ sicher zu erkennen, sagt Gaser.

Veränderungen in Gehirn
Die Wissenschaftler nutzen dazu Bilder eines modernen Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT). "Bei einer Demenz sehen wir im MRT ganz typische Veränderungen im Gehirn des Patienten", sagt der Professor. "Bestimmte Teile des Gehirns verlieren mit Fortschreiten der Krankheit immer mehr an Substanz." Im späteren Stadium sind diese Veränderungen bereits mit bloßem Auge auf den Aufnahmen zu erkennen. Das für Alzheimer typische Muster der Gehirnveränderungen ist aber schon vor Ausbruch der Krankheit zu finden: "Künftig sind dann Aussagen über das individuelle Erkrankungsrisiko möglich".

Längeres Leben bei frühzeitiger Therapie
Der Nutzen dieses bis 2012 ausgelegten und mit 430.000 Euro geförderten Forschungsprojektes "Neuro-Imaging" ist hoch. Trotz begrenzter Therapiemöglichkeiten kann der geistige Verfall des Erkrankten zumindest aufgehalten werden. "Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso mehr Lebensjahre lassen sich für die Betroffenen gewinnen", sagt Gaser.

MRT ohne schädliche Strahlung
Für das "Neuro-Imaging" spricht auch die schonende Untersuchungsmethode. Um bisher Alzheimer-Demenz nachweisen zu können, muss Hirnwasser oder Blut untersucht werden. Der MRT kommt ohne schädigende Strahlung aus und verursacht beim Patienten auch keine weiteren Nebenwirkungen. Allerdings reicht das neue, nicht-invasive Verfahren zur alleinigen Diagnose nicht aus. Sollte sich der Verdacht per MRT bestätigen, sind weitere Blut- und Hirnwassertests angebracht. Erste Hinweise auf Alzheimer müssen nicht zwangsläufig auch den Ausbruch der Krankheit nach sich ziehen. "Das Gehirn kann viele Ausfälle kompensieren", sagt Gaser.

Bilddatenbank als Grundlage
Grundlage des neuen Jenaer Forschungsprojektes ist eine mehrere tausend MRT-Bilder umfassende Datenbank. Sie basiert auf den am Universitätsklinikum vorhandenen Daten von Schizophrenie-Patienten und den Daten von Alzheimer-Demenz-Patienten aus 50 bis 60 Forschungszentren in den USA. Weltweit sind Forscher den Veränderungen in der Gehirnstruktur auf der Spur. Neu an der Jenaer Forschung sind die sogenannten multivariaten Analysemethoden. Es wird nicht nur in einzelnen Hirnregionen nach den Vorstufen der Krankheiten gesucht, sondern im gesamten Gehirn nach einem Muster, das spezifisch für diese Erkrankung ist.




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