08. Oktober 2007 13:02

Befruchtung 

Ein Nashorn aus dem Eis

Berliner Wissenschaftlern gelang es eine Nashorndame ein zweites Mal künstlich zu befruchten. Man will versuchen das auf andere seltene Tiere anzuwenden.

Ein Nashorn aus dem Eis
© AP

Einem Team von Wissenschaftern aus Wien und Berlin ist es weltweit erstmals geglückt, ein Breitmaulnashorn mit Sperma zu besamen, das drei Jahre lang tiefgefroren war. Wie die Veterinärmedizinische Universität Wien (VUW) am Montag mitteilte, ist die Nashornkuh "Lulu" im Budapester Zoo im 4. Monat trächtig, und zwar von einem Bullen aus einem Zoo in Großbritannien.

Gewisstheit nach Ultraschalluntersuchungen
Wissenschafter der VUW wiesen durch Hormonuntersuchungen auf die Trächtigkeit hin, Ultraschalluntersuchungen von Experten des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo und Wildtierforschung (IZW) und der VUW brachten nun Gewissheit. Das Nashorn-Baby soll im November 2008 zur Welt kommen.

Erster Nachwuchs für betagten Vater
Für den 38-jährigen und damit hoch betagten Reagenzglasvater "Simba" aus dem Zoo von Colchester wird dies der erste Nachwuchs sein. Trotz zweier junger Artgenossinnen im selben Zoo hatte er bisher noch keine Nachkommen zeugen können. Zur Überraschung der IZW-Wissenschafter zeigten sich seine Spermien bei einer Fruchtbarkeitsuntersuchung von sehr guter Qualität und eigneten sich gut für die Lagerung in flüssigem Stickstoff. Für das Tiefgefrieren der Spermien wurde eine neuartige, für Wildtierspermien schonende Gefriertechnik angewendet. Im Juni dieses Jahres hatten die Wissenschafter während einer in Wien entwickelten, speziellen Nashorn-Narkose die aufgetauten Samen in die Budapester Nashorndame eingebracht.

Forschungen eröffnen neue Möglichkeiten
"Dieser wissenschaftliche Erfolg bietet erstmals die Möglichkeit, neues Erbmaterial aus der Wildnis in die Nashornzucht einzubringen, ohne dass dazu Tiere transportiert werden müssen", erklärte Franz Schwarzenberger von der VUW. Künftig könnten freilebende Bullen betäubt, ihnen Sperma entnommen und der gefrorene Samen in Zuchtprogrammen weltweit genutzt werden. Besonders für das Nördliche Breitmaulsnashorn, von dem es nur noch drei in freier Wildbahn und acht in zoologischen Gärten gibt, könne dies für das Überleben eine wichtige Sicherung darstellen, so Robert Hermes vom IZW.

Bereits zweite erfolgreiche, künstliche Befruchtung der Wissenschaftler
Die VUW-Wissenschafter waren bereits 2004 bei der ersten künstlichen Befruchtung einer Nashornkuh mit dabei. Damals wurde ebenfalls die "Lulu" aus dem Budapester Zoo erfolgreich befruchtet, allerdings mit "frischem" Samen. Die Tragezeit verlief komplikationsfrei, doch 2005 brachte "Lulu" ihr Baby nur tot zur Welt.




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