01. Dezember 2007 09:53

6800 Infektionen/Tag 

Ernüchternde Statistik zum Welt-Aids-Tag

Im Jahr 2007 werden wieder 2,1 Mio. Menschen an Aids sterben. Die Statistik sieht nur wegen der genaueren Zahlen besser aus als im Vorjahr.

Ernüchternde Statistik zum Welt-Aids-Tag
© EPA/ANTONIO DASIPARU

Samstag ist Welt-Aids-Tag 2007: Auf der Erde leben derzeit 33,2 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus. Täglich infizieren sich rund 6.800 Menschen neu mit HIV, rund 5.700 erliegen der erworbenen Immunschwächekrankheit. So wird es trotz prinzipiell vorhandener guter Behandlungsmöglichkeiten auch im Jahr 2007 wieder 2,1 Millionen Aids-Tote weltweit geben.

Bessere Statistik mit genaueren Zahlen
Die Zahlen von UNAIDS wonach es im Jahr 2006 etwa 39,5 Mio. HIV-Positive gegeben habe, in diesem Jahr aber um 16 Prozent weniger, basieren nicht auf einer faktisch geänderten Situation, sondern auf besserem statistischen Material: vor allem aus Indien. In Österreich sind bis November dieses Jahres 2.573 Personen an Aids erkrankt, davon 1.449 gestorben. Für Österreich erwartet die Aids Hilfe Wien im Jahr 2007 mehr als 500 Neuinfektionen mit HIV. So viele waren es zuletzt im Jahr 1993 gewesen.

Desmond Tutu: "Aids wie Apartheid bekämpfen"
In dem von hohen Aids-Raten geprägten Südafrika muss die Immunschwächekrankheit nach Ansicht von Erzbischof Desmond Tutu mit derselben Energie wie die Apartheid bekämpft werden. Am Vorabend des internationalen Weltaidstages betonte der Friedens-Nobelpreisträger am Freitag in Pretoria: "Wir haben die Apartheid besiegt, wir können auch diese Plage besiegen."

Die Politiker seiner Heimat verschwendeten noch immer zu viel Zeit mit Debatten. Dabei kämen am Kap täglich rund 600 Menschen durch Aids ums Leben. Zwar gebe es gute Pläne, es mangle aber an der Umsetzung.

"Aids ist keine Strafe Gottes!"
Die von den Vereinten Nationen nach unten korrigierten Aids-Statistiken könnten da für das am schwersten von der Immunschwäche betroffene Südafrika nur ein schwacher Trost sein. Tutu kritisierte auch die Haltung vieler Geistlichen, die noch immer Aids-Infizierte stigmatisierten. Tutu: "Wir, die Kirchen, haben die Chance den Leuten zu sagen, dass Aids nicht Gottes Strafe für Sünden ist. Wenn dem so wäre, so sollten wir uns fragen, was ein neugeborenes Baby getan hat, wenn es sich die Krankheit zugezogen hat."

China gegenüber Aids gleichgültig?
Die Vereinten Nationen haben die Menschen in China vor einer allzugroßen Gleichgültigkeit im Umgang mit der Immunschwächekrankheit Aids gewarnt. Zwischen 30 und 50 Millionen Menschen in China liefen Gefahr, sich mit dem HIV-Virus zu infizieren, warnte der für China zuständige Koordinator von Unaids, Bernhard Schwartlander.

Immer mehr gebiete in China betroffen
Die Tatsache, dass sexuelle Kontakte zwischen Männern und Frauen in diesem Jahr mit 44,7 Prozent die Hauptursache für Neuinfektionen sei, sei alarmierend, sagte er. Obwohl die Gesamtzahl von 700.000 Aidsinfektionen bei einer Gesamtbevölkerung von 1,3 Milliarden relativ gering erscheine, steige die Zahl der Neuinfektionen in immer mehr Gebieten Chinas an, warnte Schwartlander.

Sex und Drogen
Die zunehmende Zahl homosexuell aktiver Männer, eine expandierende Sexindustrie und der zunehmende Drogenkonsum in den vergangenen Jahren erhöhten ebenfalls die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Krankheit. "Zwar haben wir zurzeit weniger Infektionen als in vergangenen Jahren, aber das kann sich schnell wieder ändern", warnte der Unaids-Koordinator für China.




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