13. August 2007 16:29

Kölner Forscher 

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Starkes Übergewicht und Fettleibigkeit beginnen nach Einschätzung des Kölner Forschers Jens Claus Brüning im Gehirn.

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn
© sxc.hu

"Bei 95 Prozent der übergewichtigen Menschen bekommt das Gehirn nicht das Signal, dass genug Energie vorhanden ist und keine weitere Nahrungsaufnahme nötig ist." Das erklärte der Internist vom Institut für Genetik der Kölner Universität in Köln. "Wir haben mit genetisch manipulierten Mäusen nachgewiesen, dass Tiere ohne spezielle Nervenzellen im Gehirn extrem dick wurden".

Nervenzellen für Appetit verantwortlich
Brüning erhielt den mit 2,5 Millionen Euro höchstdotierten deutschen Forscherpreis 2007 für seine Erkenntnisse über die Rolle von Nervenzellen im Gehirn, die für die Regulation von Appetit - und damit das Körpergewicht - zuständig sind. Dazu erklärte der Experte: "Fettzellen setzen das Hormon Leptin frei, das über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangt und dort die biologische Frage auslöst: "Nahrungsaufnahme ja oder nein?"."

Nachweis mit Maus-Versuchen
Nun sei mit den Versuchen an Mäusen ein wichtiger Nachweis gelungen: "Wir haben gezeigt, dass unter vielen Milliarden von Zellen im Hypothalamus - einer Region am Boden des Gehirns - nur wenige einen Leptin-Rezeptor tragen. Nur diese Zellen mit Rezeptor können aber auf die Signale vom Gehirn ansprechen, dass eben keine Nahrungsaufnahme mehr nötig ist." Angesichts von rund 15 bis 20 Prozent aller Deutschen, die stark übergewichtig oder fettleibig sind, werde die Grundlagenforschung auf diesem Gebiet immer wichtiger.

Leptin-Resistenz als Ursache?
"Wir müssen nun herausfinden, was in den Nervenzellen schiefläuft, dass sie nicht auf das Leptin-Hormon ansprechen". Möglicherweise liege bei übergewichtigen Menschen eine Resistenz gegen Leptin vor - das Wort ist vom griechischen "leptos" (schlank) abgeleitet. Neben der biologisch-molekularen Ebene spielten auch weitere Faktoren bei übermäßigem Essen und Fettleibigkeit eine Rolle, die stärker unter die Lupe genommen werden sollten. "Das Thema Nahrungsaufnahme ist ein äußerst komplexes Geschehen, bei dem auch geklärt sein muss, wie äußerliche Reize, Genussaspekte oder Stimmungen hineinspielen", betonte der 41-Jährige.




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