02. April 2008 10:32

Hallo, Frankenstein 

Forscher schufen Embryonen aus Mensch und Tier

Britische Forscher haben zum ersten Mal Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren geschaffen.

Forscher schufen Embryonen aus Mensch und Tier
© APA
Forscher schufen Embryonen aus Mensch und Tier

Das erzeugt gruseligen Schauer: Die Stammzellenforschung an der Universität von Newcastle vermeldet einen Meilenstein in der Humangenetik:

Die Forscher haben Embryonen aus menschlicher DNA, die aus Hautzellen gewonnen wurde, und Eizellen von Kühen gemixt und daraus ist eine sogenannte "Chimäre" - ein nicht ganz menschlicher Embryo entstanden! Nach drei Tagen haben die Forscher ihr Monster-Werk wieder zerstört.

Die nun geschaffenen Zellhybriden bestanden zum weitaus größten Teil aus menschlichem genetischen Material und nur zu 0,1 Prozent aus tierischem. Nach den Auflagen der Genehmigungsbehörde HFA müssen solche Embryonen spätestens nach 14 Tagen zerstört werden. Sie wären dann nicht größer als ein Stecknadelkopf.

Bekämpfung schwerer Krankheiten
Die Wissenschafter wollten feststellen, ob sich solche Chimären-Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten eignen. Tierische Eizellen stünden nämlich im Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung, erklärte John Burns, der Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität von Newcastle.

Sondergenehmigung fürs Monsterwerk
Für das Experiment unter Leitung des Stammzellenforschers Lyle Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine Sondergenehmigung erteilen müssen.

In Österreich nicht verboten
Die Erzeugung von Tier-Mensch-Embryonen ist in Österreich nicht geregelt und daher nicht verboten. Damit wären solche Arbeiten in Österreich zulässig, sagte der Leiter der Abteilung Medizinrecht des Instituts für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien und Mitglied der Bioethik-Kommission Christian Kopetzki

Massive Proteste
Das neue Experiment fachte die Diskussion über ein neues Gesetz noch weiter an, das die Regierung in London derzeit vorbereitet. Dieses Gesetz soll unter anderem die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu Forschungszwecken generell erlauben und regeln.

Die katholische Kirche und die Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder forderten hingegen ein Verbot derartiger Forschungen. Der Kardinal der Schottischen Katholischen Kirche Keith O'Brien meint, dass das Gewetz eine "monströse Attacke auf die Menschenrechte, auf die menschliche Würde und auf das menschliche Leben darstelle".

Der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe "Pro Life", Jom Dobbin, erklärte: "Die bewusste Verwischung der Grenzen zwischen Menschen und anderen Spezies ist ein Anschlag auf das Herzstück dessen, was uns zu Menschen macht."

Genehmigung für weitere Experimente
Nachdem die jetzt erzeugten Chimären-Embryonen drei Tage am Leben gehalten wurden, wollen die Forscher in Newcastle in einem weiteren Versuch solche Hybriden zunächst sechs Tage leben lassen. Sollten auch diese Versuche erfolgreich verlaufen, könnten nach den Vorstellungen der Forscher auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen, Ziege und anderen Tieren entstehen. Ähnliche Experimente wollen auch Stammzellforscher am King's College in London unternehmen. Auch sie haben dafür bereits eine Genehmigung der Behörden erhalten.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare