10. Dezember 2008 19:03

Feierliche Zeremonie 

Friedensnobelpreis an Ahtisaari übergeben

Der Friedensnobelpreis 2008 erhielt Martti Ahtisaari. Der Finne legte in seiner Laudatio Obama den Nahost-Friedensprozess ans Herz.

Friedensnobelpreis an Ahtisaari übergeben
© reuters

In Stockholm und Oslo sind am Mittwoch die diesjährigen Nobelpreise vergeben worden. Der frühere UNO-Vermittler Martti Ahtisaari forderte bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises den künftigen US-Präsidenten Barack Obama auf, sich für den Frieden in Nahost einzusetzen. In Stockholm überreichte der schwedische König Carl XVI. Gustaf Stunden später die Auszeichnungen für Literatur, Physik, Chemie, Wirtschaftswissenschaften und Medizin.

"Alle Konflikte sind lösbar"
Er hoffe, dass Obama dem Nahost-Konflikt während seines ersten Amtsjahrs hohe Priorität einräumen werde, sagte der ehemalige finnische Präsident Ahtisaari am Mittwoch in seiner Dankesrede im Osloer Rathaus. Auch die UNO, die EU und Russland sollten in den Friedensprozess eingebunden werden. Alle Konflikte seien lösbar, und es gebe keine Entschuldigung, sie ewig dauern zu lassen, fügte er hinzu. Im übrigen finde er, dass die Rolle des Mittlers bei der Konfliktlösung "übertrieben hoch bewertet wird": "Die einzigen, die Frieden nach einem Konflikt schließen können, sind die Beteiligten selbst."

Ahtisaari bekam eine Medaille, eine Urkunde sowie einen Scheck in Höhe von umgerechnet knapp einer Million Euro. Bei der Bekanntgabe seiner Auszeichnung im Oktober hatte er angekündigt, das Geld zur Finanzierung seiner Organisation Krisenmanagement-Initiative (CMI) zu nutzen. Bei der Verleihung selbst sagte er lakonisch: "Meiner Frau Eeva wird schon was Sinnvolles einfallen." An der Zeremonie nahm auch die norwegische Königsfamilie teil.

Sonderbriefmarke
Ahtisaari war unter anderem Sondergesandter der UNO für den Kosovo und vermittelte ein Friedensabkommen in Indonesien. Als langjähriger Namibia-Beauftragter der Vereinten Nationen trug er zudem zur Unabhängigkeit des südafrikanischen Landes bei. Zu seinen Ehren druckte die finnische Post nun eine Briefmarke, in der über seinem Bildnis "Friedensnobelpreis 2008" in vier Sprachen steht.

Zwischen 2005 und 2007 hatte Ahtisaari im Streit um den Status der damaligen serbischen Provinz Kosovo vermittelt. Sein Konzept der "überwachten Unabhängigkeit" wird von Serbien weiterhin entschieden abgelehnt. Der Kosovo hatte im Februar seine Unabhängigkeit ausgerufen und wurde bisher von 53 der insgesamt 192 UNO-Staaten anerkannt, darunter auch von Österreich. Den Österreichern war Ahtisaari schon im Jahr 2000 ein Begriff, als ihn die EU-14 zum Leiter der "Drei Weisen" machten, die im Zusammenhang mit den Sanktionen der EU-14 nach Bildung der schwarz-blauen Regierung die innenpolitische Lage untersuchten.

Medizin
Bei der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus teilte sich der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen den Medizin-Nobelpreis mit den Franzosen Françoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, die 1983 das HI-Virus entdeckten, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöste. Zur Hausen hatte nachgewiesen, dass das Humane Papilloma-Virus (HPV) Gebärmutterhalskrebs auslöst.

Physik
Der Physik-Nobelpreisträger Yoichiro Nambu hatte als einziger seine Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt. Der 87-Jährige nannte als Begründung sein hohes Alter und gesundheitliche Probleme. Der japanischstämmige US-Forscher teilt sich den Physik-Nobelpreis mit den Japanern Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa, die die Auszeichnung persönlich entgegennahmen. Maskawa verließ für die Verleihung zum ersten Mal in seinem Leben seine Heimat. Den Chemie-Nobelpreis bekamen mit Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien ein Japaner und zwei US-Forscher.

Der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio ("Der Afrikaner", "Revolutionen" und "Die Sintflut") wurde mit dem Literaturnobelpreis geehrt, die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften ging in diesem Jahr an den US-Ökonomen Paul Krugman.

Die Vergabe der Nobelpreise findet traditionell am Todestag von Alfred Nobel am 10. Dezember statt. Die Preisträger waren im Oktober bekanntgegeben worden.




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