10. Oktober 2008 11:15

Großer Vermittler 

Friedensnobelpreis geht an Ex-Präsident Ahtisaari

Der frühere finnische Präsident hat in vielen internationalen Konflikten vermittelt, darunter im Kosovo und in Indonesien.

Friedensnobelpreis geht an Ex-Präsident Ahtisaari
© EPA

Das Nobelkomitee des norwegischen Parlaments in Oslo hat den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari mit dem Friedensnobelpreis 2008 ausgezeichnet. Der 71-jährige Diplomat und ehemalige UNO-Vize-Generalsekretär wird für zahlreiche internationale Vermittlerdienste zur Beendigung von Kriegen und Konflikten, insbesondere seine Kosovo-Tätigkeit, geehrt.

Als Ahtisaaris herausragende Leistung gilt die Beendigung des Bürgerkriegs in der indonesischen Unruheprovinz Aceh 2005. Der Preis ist mit umgerechnet einer Million Euro dotiert.

China war alarmiert
Vor der Bekanntgabe war spekuliert worden, ob ein chinesischer Menschenrechtsaktivist mit dem heurigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet würde. China hatte daraufhin gewarnt, einen Regimekritiker für die Ehrung auszuwählen.

Ständiger "Friedensdienst"
Martti Ahtisaari gilt weltweit als einer der erfahrensten Diplomaten mit zahlreichen Vermittlereinsätzen auf der Weltbühne. Seine sechs Jahre als finnisches Staatsoberhaupt von 1994 bis 2000 blieben nur ein Zwischenspiel im ständigen Friedensdienst für internationale Organisationen. Für den berühmtesten Preis der Welt aus Oslo wurde er seit mehreren Jahren zum engsten Favoritenkreis gerechnet.

Ahtisaari vermittelte erfolgreich im Bürgerkrieg zwischen der indonesischen Regierung und der Separatistenbewegung "Freies Aceh". Für die Vereinten Nationen befasste sich der ehemalige stellvertretende Generalsekretär mit heiklen Sicherheitsproblemen im Irak, am Horn von Afrika und in Zentralasien. Seine letzte Mission als UN-Beauftragter für den Status des Kosovo galt als nicht sonderlich erfolgreich. Der Balkankonflikt gehörte schon 1991 bis 1993 zu seinem Arbeitsgebiet, als er Chef einer UN-Arbeitsgruppe Bosnien-Herzegowina war. 1999 verhandelte Ahtisaari erfolgreich im Dienst von UNO und EU über die Beendigung des Kosovo-Krieges in Belgrad.

Nach seiner Ablösung im höchsten finnischen Staatsamt 2000 gründete er in Helsinki das kleine Institut CMI, das sich mit Krisenmanagement befasst. Von hier aus übernahm er Aufträge wie im Jahr 2000 die Überwachung einer Entwaffnungsaktion bei der nordirischen Untergrundorganisation IRA.




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