26. August 2007 21:33

Antike Überreste 

Georadar findet römische Villen in Tirol

Innsbrucker Archäologen melden neuen Sensationsfund: Mit Georadar fanden sie in Osttirol Überreste römischer Villen.

Georadar findet römische Villen in Tirol
© APA

Mit Georadar haben sich Innsbrucker Archäologen auf die Spuren der römischen Vergangenheit in Osttirol begeben und sind dabei fündig geworden. Sowohl in Nußdorf-Debant als auch in Oberlienz konnten "beeindruckende" Überreste von zwei römischen Villenanlagen aufgespürt werden, wie die Universität Innsbruck am Wochenende bekannt gab.

In Nußdorf-Debant waren bereits Anfang des 18. Jahrhunderts Bauern, als sie einen Acker auf der Suche nach Schätzen durchwühlten, auf Mauern, einen Kanal sowie einen Mosaikfußboden gestoßen. Dies führte 1746 zu ersten archäologischen Ausgrabungen durch den als "Vater der Archäologie in Tirol" bekannten Anton Roschmann, der darüber noch im selben Jahr einen Bericht in lateinischer Sprache verfasste und über die Reste einer römischen Villa berichtete.

Mosaikfußböden
Aufgrund dieses Textes begab sich Florian Müller vom Institut für Archäologien der Uni Innsbruck auf die Suche nach diesem Fundplatz. "Schon im Herbst letzten Jahres konnten wir aufgrund von oberflächlich gemachten Funden aus römischer Zeit, wie einer Münze, Wandmalereifragmenten und zahlreichen Steinchen von Mosaikfußböden, den ursprünglichen Standort der Villa im Bereich der Flur Gline in Nußdorf-Debant eingrenzen", schilderte er in einer Aussendung.

"Um aber eine besseren Überblick zu bekommen, entschlossen wir uns eine Georadarmessung vorzunehmen, bei der im Boden verborgene Strukturen von Mauern relativ genau erfasst werden können." Diese wurde letzte Woche in Zusammenarbeit mit Wolfgang Neubauer vom Interdisziplinären Forschungsinstitut für Archäologie der Universität Wien durchgeführt. Es zeigten sich auf den untersuchten 4.000 Quadratmetern eindeutige Überreste mehrerer Gebäude, deren Räume zum Teil mit Fußbodenheizungen ausgestattet waren.

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Auch in Oberlienz wird im Bereich des Weilers Lesendorf schon seit langer Zeit ein weiters römisches Landhaus vermutet. Schon im Jahre 1901 hatte der damalige Grundbesitzer ein paar Tage gegraben und war ähnlich wie in Nußdorf-Debant auf die Fundamente eines Gebäudes mit Mosaikböden gestoßen. In den letzten Jahren kamen zudem auf dem Acker bei Begehungen immer wieder Funde - vor allem Keramik aus römischer Zeit - zu Tage. Im Zuge der Georadarmessung konnte zwar nur eine Fläche von 1.200 Quadratmetern untersucht werden, aber schon hier zeigten sich beeindruckende Ergebnisse.

"Die Bilder des Radar lassen die Überreste eines riesigen Gebäudekomplexes von mindestens 50 Metern Länge und einer vorgelagerten Säulenhalle erkennen", erzählte Müller. An beiden Plätzen - sowohl in Oberlienz am Westrand des sonnseitigen Schleinitz-Schuttkegels vor dem eigentlichen Eingang ins Iseltal sowie in Nudßorf-Debant am Übergang des Lienzer Talbodens hin zum Hang mit Aussicht auf das gesamte Tal - bot die klimatisch günstige und geschützte Lage ideale Siedlungsbedingungen in antiker Zeit.

In Nußdorf-Debant sollen noch im Oktober erste archäologische Ausgrabungen durch die Universität Innsbruck an den jetzt genau bestimmten Plätzen stattfinden. Für Oberlienz ist geplant, im nächsten Jahr eine weitere großflächige Georadarmessung vorzunehmen, um die genaue Lage und weitere Ausdehnung der römischen Villa festzustellen.




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