12. Mai 2008 14:12

Irena Sendler 

"Gerechte unter den Völkern" ist tot

Irena Sendler rettete 2.500 jüdische Kinder während des Zweiten Weltkriegs. Sie war "eine große Person mit einem großen Herzen."

"Gerechte unter den Völkern" ist tot
© AP

Irena Sendler, die während des Zweiten Weltkrieges rund 2.500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto rettete, ist am Montagmorgen im Alter von 98 Jahren in Warschau verstorben. Zu den ersten, die ihre Trauer ausdrückten, gehörten der Ex-Präsident der Knesset und ehemalige israelische Botschafter in Warschau, Shevach Weiss, sowie der letzte lebende Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto, Marek Edelman.

Dem Talmud zufolge rette derjenige, der ein Menschenleben rette, die ganze Welt, sagte Weiss der Zeitung "Gazeta Wyoborcza". "Irena Sendler hat Tausende von Welten gerettet", so der Ex-Botschafter. Als er sie getroffen habe, habe er den Eindruck gehabt, "dass ich es hier mit Heiligkeit zu tun habe". Edelman erklärte in einem Radiointerview, Sendler sei "ein großer Mensch, eine Person mit einem großen Herzen" gewesen und könne ein "Beispiel für uns alle" sein.

Kriegs-Krankenschwester
Sendler, die im Vorkriegspolen der Sozialistischen Partei angehörte und Polonistik studierte, arbeitete während des Krieges als Krankenschwester. Als Zuständige für Epidemiekontrolle bekam sie Zugang zum Warschauer Ghetto. Gleichzeitig gehörte Irena Sendler der illegalen Hilfsorganisation "Zegota" an, die von der polnischen Exil-Regierung unterstützt wurde und mit der polnischen Heimatarmee AK zusammen arbeitete. Mit deren Hilfe schmuggelte sie Kinder aus dem Ghetto und ließ sie in polnischen Gastfamilien, Waisenhäusern und Klöstern unterbringen.

Nach ihrer Festnahme durch die Gestapo 1943 wurde Irena Sendler brutal gefoltert. Trotzdem gab sie die Namen und die Aufenthaltsorte der Kinder nicht preis, die sie auf Listen geschrieben und in Einmachgläsern unter einem Baum versteckt hatte. Durch diese Listen konnten die geretteten Kinder später ihre Identität feststellen. Der Zegota gelang es, die Gefangene durch Bestechung zu befreien.

Nach 1945 arbeitete Sendler weiter im Gesundheitswesen. Ihre außergewöhnlichen Taten während des Krieges fanden allerdings zunächst nur im Ausland Beachtung. 1965 wurde sie vom Holocaust-Institut in Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. 1991 erhielt sie die israelische Ehrenbürgerschaft. In Polen wurde Irena Sendler 2003 die höchste Staatsauszeichnung, der Orden des Weißen Adlers, verliehen.




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