09. Mai 2008 12:03

Touristenattraktion 

Gibraltar-Afffen werden zur Plage

Die wichtigste Touristenattraktion Gibraltars sorgt für Streit: Die Affen breiten sich aus - sie sollen nun gekeult werden. Tierschützer protestieren.

Gibraltar-Afffen werden zur Plage
© Reuters

Die Affen auf Gibraltar sind nicht nur die wichtigste Touristenattraktion des Felsens im Süden der Iberischen Halbinsel, sondern auch ein Symbol der britischen Herrschaft. Nach der Legende bleibt Gibraltar solange britisch, wie es dort Affen gibt. In den vergangenen Jahren haben die Tiere sich so stark vermehrt, dass sie zu einer Plage wurden. Die Regierung des Affenfelsens entschied daher, 25 der mehr als 200 Tiere töten zu lassen. Zwei wurden bereits mit einer Giftspritze eingeschläfert.

affen

(c) Reuters

Tierschützer protestieren
Dies versetzte die Tierschützer in Aufruhr. Die Internationale Liga zum Schutz der Primaten (IPPL) drohte damit, zu einem Tourismus-Boykott gegen Gibraltar aufzurufen. "Die Regierung ist nicht in der Lage, den Bestand an Affen ordentlich zu pflegen, obwohl die Tiere einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen", meinte die britische IPPL-Chefin Helen Thirlway nach Angaben der Zeitung "Gibraltar Chronicle".

Die Makaken, eine Unterart der Meerkatzen, gelten als die einzigen wildlebenden Affen in Europa. Dies ist allerdings übertrieben, denn in Wirklichkeit leben sie in einem Mini-Reservat auf dem Upper Rock in etwa 200 Metern Höhe. Dort werden sie auch mit Futter versorgt. Täglich erhalten sie 500 Gramm frisches Obst und Gemüse pro Affe.

Makaken sind abtrünnig
Eine Gruppe von Makaken wurde jedoch abtrünnig und siedelte auf eigene Faust in die Nähe von Wohngebieten um. Dort drangen die Affen durch offenstehende Fenster in Wohnungen und die Zimmer eines Vier-Sterne-Hotels ein und richteten auf der Suche nach Essbarem ein Chaos an. Sie machten sich auch über Lieferwagen her, durchwühlten den Müll und rissen einer Passantin die Handtasche weg.

Die Behörden ließen die Mülltonnen "affensicher" machen und riefen die Bevölkerung dazu auf, die Fenster geschlossen zu halten. Aber es half nichts. Die Affen ließen sich nicht zur Rückkehr auf den Upper Rock bewegen. "Die Entscheidung, die Affen töten zu lassen, ist der letzte Ausweg", sagte Tourismusminister Ernest Britto. "Kinder leben in Angst und Schrecken, die Leute können ihre Fenster nicht öffnen. Die Affen können auch zubeißen und Krankheiten wie Hepatitis übertragen."

Füttern verboten
Allerdings trug der Mensch selbst dazu bei, dass die Tiere zu einer Plage wurden. "Einzelne Besucher füttern die Affen und bringen ihnen so bei, dass sie vom Menschen Futter erwarten können", erläutert die Gesellschaft für Ornithologie und Naturgeschichte (GONHS), die sich im Auftrag der Regierung um die Tiere kümmert. "Auf diese Weise verloren die Affen die Angst und den Respekt vor dem Menschen."

Nach dem Gesetz kann das Füttern mit einem Bußgeld von bis zu 500 Pfund (640 Euro) bestraft werden. Eine solche Strafe wurde seit 1918 aber nur ein einziges Mal verhängt. Die Polizei wies Forderungen nach einem schärferen Vorgehen zurück mit dem Hinweis, dass die Jagd auf Affenfütterer nicht zu ihren vorrangigen Aufgaben gehöre.

Soldaten benutzten Affen als Zielscheiben
In früheren Jahrhunderten hatten die britischen Kolonialherren eine einfache Methode, ein Überhandnehmen der Makaken zu verhindern: Die Soldaten benutzten die Affen für Schießübungen. Dies kommt heute nicht mehr infrage. Vor sechs Jahren starteten die Behörden den Versuch, die Vermehrung des Bestandes mit Mitteln der Empfängnisverhütung zu bekämpfen. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Auch wurde versucht, überzählige Affen Zoos in anderen Ländern zu vermachen. Aber es fanden sich kaum Abnehmer.




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