24. September 2007 11:26

Rot-schwarzer Ärger 

Hahn verlängert Beschränkung von Uni-Zugang

Doppelt so viele Deutsche werden an unseren Unis erwartet: Der ÖVP-Wissenschaftsminister verlängert die Zugangsbeschränkungen.

Hahn verlängert Beschränkung von Uni-Zugang
© APA

Die seit dem Studienjahr 2005/06 geltende Regelung über die Zugangsbeschränkungen in den acht Studienfächern Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Publizistik, Psychologie, Biologie, Pharmazie und Betriebswirtschaftslehre soll bis Ende 2009 verlängert werden. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, den Wissenschaftsminister Johannes Hahn am Montag in Begutachtung geschickt hat.

Doppelt so viele Deutsche mit Abitur
Hahn begründete die Verlängerung damit, dass mit einer Verzögerung nun viele deutsche Studenten in die betreffenden Fächer drängen würden. So gebe es vor allem in der Publizistik und der Psychologie einen "Boom". Immerhin ist bei der Hochschulplanung in Deutschland der drohende "Studentenberg" auf Grund doppelter Abitur-Jahrgänge in aller Munde: Die Gymnasialzeit ist in Deutschland von neun auf acht Jahre verkürzt worden und - je nach Bundesland gestaffelt - werden in bestimmten Jahren sowohl die letzten Abiturienten-Jahrgänge aus dem alten sowie die ersten aus dem neuen System gleichzeitig mit der Schule fertig.

Hahn will vorbeugen
Durch den Umstand, dass in den kommenden Jahren wegen doppelter Abitur-Jahrgänge in Deutschland und der Möglichkeit für deutsche Studenten, ihre Stipendien ins Ausland mitzunehmen, mehr Studenten nach Österreich drängen könnten, wolle er aber "prophylaktisch" handeln, "bevor ich in einem halben Jahr draufkomme, ich muss das wieder reparieren". Prognosen über die Auswirkungen auf Österreich sind nämlich schwierig. Ob deutsche Abiturienten nach Österreich ausweichen, hängt unter anderem von der Zukunft des Numerus Clausus in Deutschland sowie dem Verhalten der Universitäten ab.

Ob die Unis tatsächlich Beschränkungen verhängen, liege ohnehin in ihrem Ermessen - bisher seien die Hochschulen sehr verantwortungsvoll damit umgegangen.

Seit dem Studienjahr 2005/06 dürfen die österreichischen Universitäten in acht Fächern (Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Publizistik, Psychologie, Biologie, Pharmazie und Betriebswirtschaftslehre) den Zugang begrenzen. Bedingung: Die Anfängerzahl der vergangenen drei Jahre darf im betreffenden Fach nicht unterschritten werden.

SPÖ stellt Bedingung
Für die Verlängerung der Platzbeschränkung, die über eine Änderung des Paragrafen 124b des Universitätsgesetzes erfolgen soll, braucht Hahn die Zustimmung von Koalitionspartner SPÖ, mit der er auch rechnet. Die Sozialdemokraten sind aber vorerst sauer. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal ärgert sich über den "unabgesprochenen Alleingang" des Wissenschaftsministers und fordert eine Aufstockung der Studienplätze in den acht Fächern um zehn Prozent. Nur dann sei eine Verlängerung der Beschränkungen denkbar.

Es gehe auch nicht an, dass die Unis das selbst entscheiden sollten. "Universitäten sind keine unabhängigen Privatunternehmen, in deren Betriebsführung der Staat nicht eingreifen darf, sondern staatliche Einrichtungen", so Broukal: "Der Staat ist zu 90 Prozent ihr Zahler".

Konkrete Zahlen?
Der SPÖ-Politiker ärgert sich auch, dass die Diskussion derzeit nur über Kopfzahlen geführt werde. Die einzelnen Studien würden unterschiedlich viel Geld kosten - in der Medizin seien die Plätze teuer, in den "Buchwissenschaften" billiger. Hahn und die Universitäten müssten nun "konkrete Zahlen vorlegen, was eine Ausweitung der Studienplätze kosten würde".

Mit dem "primitiven Alarmruf: Hilfe, die Deutschen kommen", gebe er sich nicht zufrieden. Hahn vergesse, dass er mit der Beschränkung auch österreichischen Maturanten die Möglichkeit nehme, ihr Wunschstudium zu studieren.

Grüne gegen "Systemkosmetik"
"Geradezu absurd" ist der Entwurf für den Grünen Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald. Gerade habe die OECD Österreich empfohlen, die Zahl von Studierenden und Akademikern zu erhöhen. Die Regierung denke dagegen über eine Deckelung von Studienplätzen auf niedrigem Niveau nach, so Grünewald. Offenbar fehle jedes Konzept einer nachhaltigen Strategie. Die Regierung "reiht eine Notwehraktion an die andere und betreibt lediglich Systemkosmetik und Feuerwehraktionen".

ÖH ortet Verarschung
Die Österreichische Hochschülerschaft ist "entsetzt über diesen Schlag ins Gesicht der Studierenden". Die Verlängerung der Beschränkungen sei "nicht nur absolut unnötig, sondern eine regelrechte Verarschung der angehenden Studierenden", so ÖH-Chef Hartwig Brandl. Wenn selbst nach Erscheinen der OECD-Studie über die "katastrophal niedrige AkademikerInnenquote" nichts weitergehe, sei das ein Armutszeichen. Österreich brauche keine Zugangsbeschränkungen, sondern mehr Akademiker.

Rektoren sind zufrieden
Die Rektorenkonferenz begrüßt den Plan. Die Rektorate seien "dadurch in der Lage, weiterhin flexibel auf die Studierendenströme zu reagieren, die seit dem EuGH-Urteil 2005 zu einem vermehrten Andrang von deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen geführt haben", so Rektoren-Chef Christoph Badelt. Man werde damit weiter "verantwortungsvoll umgehen".

Allerdings verlangen die Rektoren eine "grundsätzliche Regelung" des Hochschulzugangs, eine Festlegung von Ausbildungskapazitäten an den Unis und der entsprechenden Finanzierung. Überschreitet die Zahl der Studienwerber diese Kapazitäten, sollen die Unis die Studienwerber nach Qualifikation autonom auswählen dürfen.




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