13. Dezember 2007 14:42

Nicht vorhersehbar 

Hellseher lagen für 2007 voll daneben

Hellseher zeichneten für das Jahr 2007 ein düsteres Bild, aber kaum eine Prognose traf ein.

Hellseher lagen für 2007 voll daneben

Der Kreml in Moskau in Flammen, ein Hollywood-Star erliegt dem Biss einer Giftschlange und Millionen Menschen sterben bei Terroranschlägen in den USA: Mit düsteren Prognosen wie diesen waren Wahrsager und Hellseher ins Jahr 2007 gestartet - und lagen nach einer Analyse der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften" (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt (Hessen) voll daneben.

Kein UFO vor dem Weißen Haus
Auch die UFO-Landung vor dem Weißen Haus blieb aus, die das kanadischen Medium "Nikki Pezaro" vorhergesehen hatte. Den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der solche Weissagungen für die GWUP auswertet, wundert das nicht: "Die Zukunft ist nun einmal nicht festgelegt und lässt sich weder aus der Glaskugel noch aus den Sternen voraussagen."

Geringe Trefferquote
Kunkel überprüfte 2007 rund 185 Prognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern. Sein Fazit: "Sie konnten mit ihren Voraussagen keine Belege ihres Könnens liefern." Trotzdem verweise die Augurenzunft oft und gerne auf ihre hohe Trefferquote, die sich bei näherem Hinsehen allerdings schnell in Luft auflöse.

Falsche Prognosen en masse
So sei 2007 auch weder der Euro abgeschafft noch Cannabis legalisiert worden, wie dies die Astrologin Patricia Bahrani bereits vor Jahren angekündigt hatte. Der Einmarsch amerikanischer Truppen in den Iran blieb ebenso aus wie der alljährlich von mehreren Auguren prognostizierte Anschlag auf den US-Präsidenten.

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Traditionelle Lieblingsthemen der Wahrsagerzunft seien auch in diesem Jahr Naturkatastrophen, Terror und Kriege gewesen. Anders als zum Jahr 2006, als sich die Branche gerne mit Vorhersagen zur Fußball-Weltmeisterschaft befasste, gab es 2007 allerdings keine besonderen Schwerpunkte, teilte die GWUP am Donnerstag mit: "Es überwogen allgemeine, unklare Aussagen, die sich nur schwer prüfen lassen."

Schwammige Zukunftsprognosen
Beispiele für vage und schwammig formulierte Zukunftsprognosen habe es zuhauf gegeben. So las der Astrologe Martin Banger in den Sternen, dass "Aufstände und Unruhen in den Niederlanden, Japan, Kanada, Libanon, Sri Lanka, Finnland, Philippinen, Rumänien, Ungarn, Polen und Saudi-Arabien denkbar" seien. Elizabeth Teissier warnte, dass wir "zwischen Mitte Jänner und Mitte Oktober mit Veränderungen wie Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Turbulenzen und Anschlägen rechnen" müssten.

Viel hinein interpretierbar
Die unscharfen Formulierungen hätten für die Zunft einen großen Vorteil, sagt Kunkel. "Da man so gut wie alles in sie hineininterpretieren kann, findet sich im Nachhinein immer eine Nachricht, die irgendwie auf die Prognose passt." Manche Hellseher, die für das Jahr 2004 ganz allgemein Erdbeben oder Naturkatastrophen vorausgesagt hatten, rühmten sich heute, die Tsunami-Katastrophe vorhergesehen zu haben.

Schwache DAX-Vorhersagen
Einfach zu prüfen sind hingegen die Prognosen von Karsten Kröncke aus Freiburg. Er sagt seit Jahren voraus, ob der DAX an einem Handelstag steigt oder fällt. In den ersten elf Monaten 2007 belief sich seine Trefferquote nach Kunkels Analyse auf nicht einmal 47 Prozent - er hätte also ebenso gut würfeln können. Fehlende Geschäftstüchtigkeit könne man Kröncke allerdings nicht vorwerfen: "Ein etwa 35-seitiges astrologisches "großes Gutachten" kostet bei ihm 1.700 Euro."




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