12. November 2008 15:56

Problem gelöst 

ISS-Astronauten trinken künftig ihren Urin

Eine neue High-Tech-Anlage auf der Raumstation ISS soll das Harn-Problem lösen. Sie soll Urin in Trinkwasser umwandeln.

ISS-Astronauten trinken künftig ihren Urin
© AP

Das Timing ist perfekt. Punktgenau zum zehnjährigen Jubiläum der Internationalen Raumstation ISS steht jetzt eine großzügige Erweiterung der Anlage bevor. Statt der bisher drei Bewohner sollen demnächst sechs Astronauten ständig im All wohnen können. Die notwendigen Einrichtungen für die Verdoppelung der Kapazität soll die US-Raumfähre "Endeavour" zur ISS bringen, die an diesem Wochenende (Samstag, 1.55 MEZ) mit sieben Astronauten an Bord vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral abhebt. Mit dabei ist eine High-Tech-Einrichtung der besonderen Art: eine Recyclinganlage, die aus dem Urin der Astronauten Trinkwasser aufbereiten kann.

Es ist zehn Jahre her, als der "Grundstein" der ISS rund 350 Kilometer über der Erde gelegt wurde. Es war der 20. November 1998, als vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan eine russische Proton-Trägerrakete abhob, um den ersten 24 Tonnen schweren Bauteil der Station ins All zu bringen.

Viele Nationen beteiligt
Gut ein Dutzend Nationen, neben den USA und Russland vor allem die Europäer, Japan und Kanada, sind mit von der Partie. Seit 2000 ist die Station, die mit ihren riesigen Sonnensegeln über 80 Meter Spannweite hat, ständig besetzt. Die Experimente in der Schwerelosigkeit, das Züchten von Proteinkristallen im All lohnten den Aufwand nicht. Die Kosten werden derzeit auf 100 Milliarden Dollar (knapp 80 Milliarden Euro) veranschlagt - und noch immer ist die Station nicht fertig.

Quantensprung für ISS
Doch jetzt erlebt die ISS so etwas wie einen Quantensprung: "Wir verwandeln ein Appartement mit drei Schlafzimmern und einem Badezimmer in ein Fünf-Zimmer-Appartement mit zwei Toiletten", schwärmte"Endeavour"-Kapitän Chris Ferguson. Die Installation der neuen Einrichtung ist eines der Hauptaufgaben der zweiwöchigen Mission. Dazu gehören ein Kühlschrank und ein Heimtrainer - sowie die Urin-Recycling-Anlage.

Notwendig, nicht unappetitlich
Was zunächst etwas unappetitlich klingt, ist für die künftige Weltraumfahrt schlichtweg notwendig. "Bisher ist das allermeiste Trinkwasser für die ISS mit amerikanischen Shuttles oder den russischen Transportern geliefert worden", sagte NASA-Flugdirektor Michael Sarafin. Das ist ein Luxus, den man sich nicht mehr lange leisten kann. Denn vom Frühjahr 2010 an wird die NASA ihre reichlich betagten Shuttles einmotten - mindestens fünf Jahre lang kann die ISS dann ausschließlich durch russische Transportraketen versorgt werden. Dann könnte es für die Versorgung eng werden.

Die High-Tech-Anlage ist praktisch ein kleines Perpetuum mobile. Genutzt wird neben dem Urin vor allem auch das Kondenswasser der Atemluft. Die Raumstation könne sich so ohne fremde Hilfe mit Trinkwasser versorgen, meinte Sarafin. Unerlässlich ist die Selbstversorgung auch für die geplanten Marsflüge und die permanente Mondstation.




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