04. Dezember 2008 14:11

Transformation 

Jetzt kann man in einen anderen Körper schlüpfen

Es klingt futuristisch, ist aber nun möglich: Forschern gelang es, eine Person in einen anderen Menschen schlüpfen zu lassen.

Jetzt kann man in einen anderen Körper schlüpfen

Das menschliche Gehirn ist bei der Wahrnehmung des eigenen Körpers nach den Erkenntnissen schwedischer Wissenschafter ganz leicht zu täuschen. Neurowissenschaftern des Karolinska-Instituts in Stockholm gelang es demnach, Testpersonen in den Körper eines anderen Menschen schlüpfen zu lassen.

"Dabei haben sie sich selbst die Hand geschüttelt, ohne dass die Täuschung aufflog", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Durch die Manipulation der Sinneswahrnehmung sei es nicht nur möglich, die Selbstwahrnehmung vom eigenen Körper zu trennen, sondern auch in andere Körper hineinzuschlüpfen.

Kamera-Experiment
In einem Experiment wurden zwei Kameras auf dem Kopf einer Testpuppe montiert. Sie waren verbunden mit zwei kleinen Bildschirmen vor den Augen einer Versuchsperson, die somit sah, was die Puppe "sah". "Beugten sich beide vor, sah die Testperson den Körper der Testpuppe statt des eigenen Körpers", erklärte das Institut. Die Illusion eines Körpertausches wurde erzielt, indem ein Wissenschafter die Bäuche der beiden mit zwei Stäben berührte. Die Versuchsperson habe gesehen, dass der Bauch der Puppe berührt wurde, während sie eine Berührung am eigenen Bauch fühlte, aber nicht sehen konnte. Die Versuchsperson habe daraufhin "ein starkes Gefühl entwickelt, dass der Körper der Testpuppe ihr eigener ist".

In einem weiteren Experiment wurden die Kameras auf dem Kopf eines zweiten Menschen befestigt. Die Testperson wiederum sah durch die Brille, was die Kameras aufnahmen. Als sich beide Menschen die Hände schüttelten, nahm die Testperson den Körper des anderen als den eigenen wahr. Die Täuschung gelang dem Institut zufolge sogar, als sich Mann und Frau gegenübersaßen. Der Testperson vorzutäuschen, sie sei ein Sessel, sei aber nicht gelungen.

Die Erkenntnisse können dem Institut zufolge für Robotertechnik und Bereiche der Virtuellen Realität, aber auch für Bildung und Medizin von Nutzen sein. Laut Henrik Ehrsson, Leiter des Forschungsprojekts, können sie auch bei Fragen nach der Selbstwahrnehmung und Gruppenzugehörigkeit Hilfestellungen leisten. "Vielleicht können wir damit auch Vorurteile bekämpfen", schloss Ehrsson.




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