28. Jänner 2007 13:14

US-Regierung 

Klimaschutz durch Riesenspiegel

Gewaltige Spiegel im Weltraum oder Staub in der Atmosphäre sollen das Sonnenlicht reflektieren und so der globalen Erwärmung entgegenwirken.

Klimaschutz durch  Riesenspiegel
© AP

Die US-Regierung denkt einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge daran, den Klimawandel mit weit reichenden Maßnahmen zu bekämpfen. Gewaltige Spiegel im Weltraum oder Staub in der Atmosphäre sollen das Sonnenlicht reflektieren und so der globalen Erwärmung entgegenwirken. An eine drastische Senkung der Treibhausgas-Emissionen ist dagegen offenbar nicht gedacht.

Klimawandel als Wahlkampfthema
"In den USA ist der Klimawandel im öffentlichen Bewusstsein angekommen", kommentiert "Spiegel Online" den Bericht. In der US-Bevölkerung wachse die Angst vor katastrophalen Folgen der Erwärmung. Politiker würden den Umweltschutz als Wahlkampfthema entdecken, und selbst Energiekonzerne drängten die US-Regierung inzwischen zum Handeln. Im Weißen Haus verhallten diese Rufe nicht mehr ungehört, so "The Guardian" am Wochenende in seiner Internetausgabe.

Gigantischer Spiegel im All
Am kommenden Freitag wird das UN-Expertengremium Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) erstmals seit sechs Jahren wieder einen neuen Bericht zum Stand des Klimawandels veröffentlichen. Dem "Guardian" zufolge bemüht sich Washington, einige drastische Maßnahmen in die Empfehlungen des IPCC-Papiers aufzunehmen - darunter die Installation gigantischer Spiegel im All oder das Ausbringen großer Mengen von Staub in die Atmosphäre, um das Sonnenlicht zu reflektieren.

Vergangenes Jahr hat die Regierung eine Vorabversion des IPCC-Berichts erhalten, deren wissenschaftliche Details der endgültigen Version weitgehend entsprechen dürften. Dem "Guardian" liegt nach eigenen Angaben nun die Antwort der US-Regierung an die Vereinten Nationen vor. Sie enthalte die Forderung, dass der Teil des IPCC-Berichts mit Empfehlungen an die Politik die Möglichkeit einer direkten Einflussnahme auf die Sonneneinstrahlung beinhalten solle.

Viele Ideen - ein "Best of"
Die Möglichkeit drastischer Maßnahmen zum Klimaschutz wird inzwischen immer ernsthafter von Wissenschaftlern diskutiert. So existieren Berechnungen, denen zufolge der Klimaeffekt aller seit der industriellen Revolution ausgestoßenen Treibhausgase kompensiert werden könnte, indem man ein Prozent des Sonnenlichts ins All reflektiert. Dazu kursieren laut "Spiegel Online" mehrere Szenarien:

Der US-Astronom Roger Angel hat vorgeschlagen, einen 100.000 Kilometer langen Schweif aus 16 Billionen kleinen Spiegeln zwischen Sonne und Erde zu platzieren. Die Kunststoffscheiben von jeweils 60 Zentimetern Durchmesser sollen rund zwei Prozent weniger Sonnenenergie auf der Erde ankommen lassen.

Sonnen-Licht-Blocker
Der niederländische Chemie-Nobelpreisträger und "Ozonloch"-Entdecker Paul Crutzen hat den Plan entwickelt, die Stratosphäre mit riesigen Mengen an Schwefel zu vernebeln, um einen Teil des Sonnenlichts abzublocken. Der kühlende Effekt wurde bereits nach großen Vulkanausbrüchen beobachtet. Kritiker warnen allerdings vor unabsehbaren Folgen und bemängeln, dass man über viele Generationen Schwefel in die Atmosphäre blasen müsste, wollte man keine plötzliche massive Erwärmung riskieren.

Meerwasser-Zerstäuber
Am National Center for Atmospheric Research im US-Bundesstaat Colorado haben Forscher um den Atmosphärenphysiker John Latham die Idee entwickelt, große Mengen Meerwasser zu zerstäuben. Damit wollen sie niedrige Wolken mehr Licht ins All reflektieren lassen.

Algenwachstum gegen Kohlendioxid
Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Meeresforschung in Bremerhaven düngten in den Jahren 2000 und 2004 im Antarktischen Meer 200 Quadratkilometer Meeresfläche mit Eisensulfat, um das Algenwachstum an der Oberfläche anzuregen. Ihr Plan: Wenn Phytoplankton wächst, bindet es Kohlendioxid, das später mit in die Tiefe gerissen und so aus der Atmosphäre entfernt wird.

Plastikplanen in den Wüsten
Mit schwimmenden Kunststoffscheiben auf den Weltmeeren und weißen Plastikplanen in den Wüsten ließe sich nach Berechnung anderer Wissenschaftler ebenfalls ein Teil des Sonnenlichts zurück ins Weltall werfen - und so der globalen Erwärmung entgegenwirken.




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