25. Jänner 2008 19:51

Bis zu 20 Prozent 

Klimawandel schadet dem globalen BIP

Schäden von bis zu 20% des globalen BIP seien laut Münchener Rück möglich. Effektive Gegenmaßnahmen kosten dagegen nur 1 Prozent.

Klimawandel schadet dem globalen BIP
© EPA/PATRICK PLEUL

Proaktiver Klimaschutz und rasches Handeln im Kampf gegen den Klimawandel komme billiger, als in Zukunft für die Schäden aus noch mehr Naturkatastrophen aufzukommen. Ohne effektive Maßnahmen werden die Folgeschäden aus dem Klimawandel 5 bis 20 Prozent der jährlichen globalen Wirtschaftsleistung (BIP) - also bis zu 9.000 Mrd. Dollar (6.138 Mrd. Euro) - ausmachen. Mit Klimaschutz-Maßnahmen könnten diese Kosten auf 1 Prozent - also 450 Mrd. Dollar - reduziert werden.

Versicherungswirtschaft von Klimawandel "massiv betroffen"
Diese Zahlen aus dem sogenannten "Stern-Report" zitierten Torsten Jeworrek, Vorstand der Münchener Rück, und Kurt Weinberger, Vorstand der Österreichischen Hagelversicherung, am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. Die Versicherungswirtschaft sieht sich vom Klimawandel "massiv betroffen". "Wir spüren den Klimawandel bereits und können ihn an unseren Daten ablesen", sagte Jeworrek. Das Problem könne nicht vermieden werden, "aber wir können in die richtige Richtung steuern", betonte der Experte.

EU-Klimapaket sei ein guter Schritt
Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Klimapaket sieht Jeworrek als "guten Schritt". Europa sei damit wegen der Verbindlichkeit des Pakets vergleichsweise "weit voran". Die europäischen Länder hätten nun die Chance, "Frontrunner" zu sein und der Volkswirtschaft die richtigen Impulse zu geben. Jammern und Fingerzeige seitens der Industrie helfen nichts, betonte der Versicherungsmanager.

Naturkatastrophen nehmen zu
Naturkatastrophen nehmen dramatisch an Zahl und Ausmaß zu, die Schadenpotenziale erreichen neue Größenordnungen, so Jeworrek. 2007 lagen die Schäden bei rund 75 Mrd. Dollar, um 50 Prozent mehr als 2006. So seien die elf wärmsten Jahre seit 1856 in den vergangenen 13 Jahren gelegen. Die durchschnittliche Welttemperatur habe in den vergangenen zehn Jahren um 0,75 Grad zugenommen, in Europa sogar um 1 Grad. Mehr Hitzewellen, mehr extreme Niederschläge und mehr Dürreperioden seien also wahrscheinlich, untermauert Jeworrek seine Argumente. In Österreich bestehe vor allem die Gefahr von längeren Trockenperioden.

In den letzten Jahren immer mehr Schäden
Schon jetzt zeige der Schadentrend eine deutliche Häufung in den letzten Jahren. Dabei seien Versicherungswirtschaft und Volkswirtschaft gleichermaßen betroffen, betonte der Münchener Rück-Vorstand. Es gebe also ein gemeinsames Interesse in Bezug auf Risikovermeidung und Risikostreuung, hieß es.

Neben der Einbeziehung von künftigen Risiken ins Risikomanagement reagierte die Münchener Rück auf den Klimawandel auch mit einem "nachhaltigen" Assetmanagement. Durch die Integration von Klimawandel- und Nachhaltigkeitskriterien in die Investmentstrategien fließen jetzt schon 80 Prozent der 170 Mrd. Euro, die die Münchener Rück veranlagt, in "nachhaltige" Unternehmen. Zudem habe man ein Konzept für CDM/JI-Klimaschutzprojekte entwickelt, bei dem der Investor für den Schaden kompensiert werde, der entstehen, wenn ein Projekt die vereinbarte Menge an Emissionsrechten nicht liefern könne.




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