07. Jänner 2009 11:48

Forschung 

Kuschel-Hormon verbessert Gedächtnis für Gesichter

Das Hormon Oxytocin hilft dabei vetraute Gesichter besser wiederzuerkennen. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich.

Kuschel-Hormon verbessert Gedächtnis für Gesichter
© sxc
Kuschel-Hormon verbessert Gedächtnis für Gesichter
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Eine einzige Dosis des Hormons reichte, damit Probanden besser zwischen vertrauten und fremden Gesichtern unterscheiden konnten.

Der Testablauf
Die Forscher um Ulrike Rimmele und Peter Klaver verabreichten in ihrem Experiment 22 jungen Männern eine Dosis Oxytocin als Nasenspray. 19 weitere Probanden erhielten ein Scheinmedikament ohne den Wirkstoff. 40 Minuten später bekamen die Männer Bilder von Gesichtern vorgelegt sowie von leblosen Gegenständen wie Häusern oder Landschaften.

Am Tag darauf wurden den Testpersonen einige der Bilder wieder gezeigt, gemeinsam mit neuen Bildern. Die Oxytocin-Probanden konnten dabei mit höherer Trefferquote angeben, ob ihnen die Gesichter vertraut waren oder nicht. Bei den leblosen Bildern dagegen schnitten sie nicht besser ab als die Kontrollgruppe.

Wiedererkennung ist wichtig für Soziales
Dies sei die erste Studie, die nachweise, dass Oxytocin beim Menschen spezifisch das Gedächtnis für soziale Informationen verbessere, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Journal of Neuroscience". "Ein vertrautes Gesicht wiederzuerkennen ist entscheidend, um erfolgreich soziale Kontakte zu pflegen", wird Peter Klaver in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert.

Auch zur Stressbewältigung geeignet
Oxytocin gilt bereits seit einigen Jahren als ein zentrales Steuerungshormon für das Sozialverhalten. Das auch als "Kuschel"-oder "Vertrauens"-Hormon bezeichnete Molekül erhöht zum Beispiel das Vertrauen in Mitmenschen oder reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen.

Ratten als Vorreiter
Bei Mäusen und Ratten haben Forscher zudem schon vor einiger Zeit nachgewiesen, dass Oxytocin ein Schlüsselstoff für das soziale Wiedererkennen ist: Dank des Hormons erkennen die Nagetiere am Geruch besser, ob ein Artgenosse ihnen vertraut ist oder fremd.

Neue Ansätze für andere Krankheiten
Interessant sind die Ergebnisse der Zürcher Wissenschafter im Hinblick auf Krankheiten, die mit sozialen Defiziten einhergehen. Oxytocin könnte laut den Forschern einen neuen Ansatz darstellen, um Menschen mit solchen sozialen Phobien oder auch Autismus zu helfen.




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