24. Juli 2008 21:20

Plus 13 Jahre 

Lebenserwartung von HIV-Infizierten gestiegen

In der HIV-Forschung tat sich in den letzten Jahren einiges. Aids hat sich mittlerweile fast zu einer chronischen Krankheit entwickelt.

Lebenserwartung von HIV-Infizierten gestiegen
© DPA

Die Lebenserwartung von HIV-Infizierten ist in den vergangenen Jahren durch Kombinationstherapien stark gestiegen. Sie nahm von 1996 bis 2005 in den Industrieländern um 13 Jahre zu, wie Aids-Experten im britischen Medizinjournal "The Lancet" berichteten. Die Forscher werteten 14 Studien aus Europa und Nordamerika aus. Nach ihren Berechnungen hat ein 20-Jähriger, der zwischen 2003 und 2005 eine Behandlung mit den antiretroviralen Medikamenten begonnen hat, im Mittel noch fast 50 Jahre zu leben.

Drogenabhängige sterben früher
Die Fortschritte zeigten, dass sich Aids von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit entwickelt habe, berichteten die Forscher um Prof. Robert Hogg vom British-Columbia-Aids-Zentrum in Vancouver (Kanada) und Prof. Jonathan Sterne von der britischen Universität Bristol. Trotz dieser positiven Entwicklung erreichten die Infizierten aber noch nicht die normale Lebenserwartung. Außerdem gebe es große Unterschiede unter den Patienten. So würden HIV-infizierte Drogenabhängige der Statistik zufolge oft deutlich früher sterben.

Unverhüteter Sex vertretbar?
In derselben "Lancet"-Ausgabe üben Aids-Experten scharfe Kritik an Kollegen aus der Schweiz, die Sex ohne Kondome für einen begrenzten Kreis von Patienten mit deren festen, nicht-infizierten Partnern für vertretbar halten. So ist ungeschützter Geschlechtsverkehr nach Ansicht der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen bei jenen Patienten zu verantworten, die mit einer Kombinationstherapie behandelt werden, in deren Blut über längere Zeit keine Viren mehr nachgewiesen worden sind und die unter keiner weiteren sexuell übertragbaren Krankheit leiden. Der Forscher David Wilson aus Australien hält diese Empfehlung für viel zu gefährlich.


Der Wissenschafter und seine Kollegen von der Universität New South Wales in Sydney errechneten das Risiko für Partner, die nach den Empfehlungen der Schweizer ungeschützt Sex miteinander haben dürfen. Das Ergebnis: Bei Homosexuellen steigt das Infektionsrisiko um das Vierfache an im Vergleich zu Paaren, die Kondome benutzen. Auch bei Heterosexuellen gebe es eine geringe Ansteckungsgefahr.




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