19. September 2007 09:48

Exzentrischer Brite 

Mathematiker tüftelt am Eis mit Biergeschmack

Mit dem Bier-Eis will der ehemalige Lehrer die Pop-Sängerin Madonna beeindrucken. Er bevorzugt die gleiche Biermarke.

Mathematiker tüftelt am Eis mit Biergeschmack
© dpa

Auf den ersten Blick hat Ian Gibson nicht besonders viel mit Madonna zu tun: Er isst liebend gerne Chips, sein Haar ist strähnig und für Yoga scheint er sich nicht sonderlich zu interessieren. Doch Gibson trinkt gerne Bier - und zwar genau jenes Bier, das Madonna als ihr Lieblingsbier, ja sogar den "Champagner" unter den Bieren bezeichnet hat: Ale aus dem englischen Yorkshire. Nun hat der exzentrische Brite daraus ein Bier-Eis entwickelt - und er hofft, mit der Kalorienbombe auch die Popdiva zu verführen.

Noch ist das Eis zu bitter
"Madonna mag es wohl nicht so fettig, aber vielleicht begeistert sie sich ja trotzdem", sagt Gibson, als er im Pub des nordenglischen Heckmondwikes lehnt und sein Frühstücks-Pint Ale schlürft, jenes Bier, das für Nicht-Engländer eher wie eingeschlafene Füße schmeckt und nicht wie die passende Zutat einer Eiscreme. "Es hat den perfekten Abgang für ein Eis, bitter aber nicht zu bitter", schwärmt Gibson. "Das Eis ist extrem beliebt - vor allem bei Männern", bestätigt Pubbesitzerin Pauline White.

Klischee des skurrilen Briten
Nicht nur Gibsons Produkt ist ungewöhnlich: Der Ansatz, mit dem er sich seiner Idee genähert hat, entspricht eher dem Klischee des skurrilen Briten als dem eines professionellen Eis-Kreateurs. Denn er ist dem perfektem Eis mit höchstkomplizierten Formeln auf der Spur. Und so besteht das cremige Etwas für ihn nicht einfach aus Schlagobers, Milch, Bier und Zucker sondern aus einem wirren Zahlengeflecht: "Es klingt vielleicht seltsam, dass ein Ex-Mathematiklehrer Eiscreme herstellt, aber es ist eine fantastisch komplexe Materie. Ein Mathe-Hirn hilft definitiv, wenn es um das Analysieren und Zusammenstellen von Rezepten geht."

Interesse am Eis
Nachdem schon ein Sternekoch Interesse angemeldet, und das Nobelkaufhaus Harvey Nichols in Leeds Gibsons Kreation ins Sortiment aufgenommen hat, will der 70-Jährige nun ein Buch mit Rezeptformeln veröffentlichen. Auch wenn es zweifelhaft ist, dass Laien das sahnige Eis - das erst im Nachgeschmack das Bier erahnen lässt - mit dieser Vorlage nachmachen können.

"Typisch englisch"
Gibsons Landsleuten könnten dennoch Gefallen daran finden, haben sie doch erwiesenermaßen ein Faible für Schräges. "Exzentrizität wird in England wie ein nationales Ritual kultiviert", schreibt Englisch-Professor Hans-Dieter Gelfert in seinem Buch "Typisch englisch". In der Tat wimmelt es in der Presse tagtäglich von ausgefallenen Typen. Der eine führt jeden Tag seinen Riesenleguan an einer Hundeleine spazieren, der nächste sammelt zum Hobby tote Tiere von der Autobahn. Das Skurrile werde von den Engländern so sehr "als nationale Eigenschaft empfunden, dass jede Familie, die einen schrulligen Onkel oder eine spinnerte Tante hat, stolz auf das schwarze Schaf ist", erklärt Gelfert.

Gibson selbst findet sich jedoch vollkommen normal. "Ich bin 70 und ich muss immer weitermachen und neue Projekte angehen." Profitabel ist sein Erfindungsdrang möglicherweise auch für Dritte. Weil der Mathematiker in seiner Rezeptur auf das Ale von Timothy Taylor schwört, könnte sich Gibsons Projekt für die Brauerei in Keighley als Marketing-Coup herausstellen - wenn für den nicht schon Madonna gesorgt hat.  




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