08. Oktober 2007 11:50

1,1 Mio. Euro 

Medizin-Nobelpreis geht an drei Stammzellenforscher

Der Nobelpreis für Medizin geht an die Stammzellenforscher Mario Capecchi, Martin Evans und Oliver Smithies.

Medizin-Nobelpreis geht an drei Stammzellenforscher
© EPA

Von "Knock-Out"-Mäusen, embryonalen Stammzellen - und im Endeffekt auch vom gesunden bzw. kranken Menschen: Für bahnbrechende Forschungen auf diesem Gebiet der Erforschung von embryonalen Stammzellen und der homologen Rekombination von Genen und in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde am Montag den beiden US-Wissenschaftern Mario Capecchi (geboren 1937) und Oliver Smithies (geboren 1925) sowie dem Briten Sir Martin Evans (geboren 1941) der Nobelpreis für Physiologie und Medizin des Jahres 2007 zuerkannt.

1,1 Mio. Euro dotiert
Die Auszeichnung ist - wie im Vorjahr - mit zehn Millionen schwedischer Kronen (rund 1,1 Mio. Euro) dotiert.

"Gene Targeting"
"Die diesjährigen Preisträger haben eine ganze Serie von Durchbrüchen auf dem Gebiet der Stammzellforschung und der Rekombination von DNA in Säugetieren gemacht. Ihre Entdeckungen führten zu der Schaffung der unglaublich wichtigen Technologie des 'Gene Targeting' bei Mäusen. Sie wird heute in faktisch allen Bereichen der Biomedizin benutzt - von der Grundlagenforschung bis zur Entwicklung neuer Therapien", hieß es in der Begründung des Nobelpreiskomitees. Im Endeffekt hatten die Wissenschafter als Verfahren jenes der "Knock-Out"-Mäuse geschaffen, mit dem man ganz gezielt einzelne Gene bei den Versuchstieren ausschalten und die daraus resultierenden Konsequenzen untersuchen kann.

Evans
Sir Martin Evans von der Cardiff University in Großbritannien - für seine Arbeiten von der Queen bereits geadelt, was sonst bei britischen Wissenschaftern zumeist erst nach der Zuerkennung einer derart hohen Auszeichnung geschieht - "identifizierte und isolierte embryonale Stammzellen" von Mäusen. Das Nobelpreis-Komitee: "Er konnte sie in Zellkulturen halten, modifizierte sie genetisch, brachte sie wieder in weibliche Mäuse ein, um so genetisch modifizierte Nachkommen zu schaffen."

Capecchi und Smithies
Capecchi (gebürtiger Italiener mit US-Staatsbürgerschaft, er arbeitet an der University of Utah in Salt Lake City) und Oliver Smithies (University of North Carolina in Chapel Hill) wiederum entdeckten unabhängig von einander die homologe Rekombination zwischen Teilen des Erbguts von Säugetieren. Damit lassen sich bestimmte Gene gezielt ("targeted") verändern.

Kombination der Techniken
Der Clou aber lag in der Kombination der Techniken von Evans sowie von Capecchi und Smithies. Das Nobelpreiskomitee: "... das führte zur 'Knock-Out'-Maus, die unser Verständnis von normaler Entwicklung und von Krankheitsprozessen revolutioniert hat. Damit wurden neue Wege für medizinische Therapien erschlossen."

Das Prinzip der "Knock-Out"-Mäuse ist einfach: Oft mittels "homologer Rekombination" an einem Gen veränderte embryonale Stammzellen der Tiere werden in ganz frühe Mäuse-Embryonen (Blastozysten) eingebracht und dann in Muttertieren ausgetragen. Durch entsprechende Weiterzucht entsteht ein Maus-Stamm mit extrem gleichartigen genetischen Hintergrund samt dem veränderten Gen. Im Vergleich zu Tieren ohne diese Modifikation der Erbanlage lässt sich damit die Funktion einer Erbanlage erkennen.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |