02. Oktober 2008 11:53

Hintergrund 

Melamin - Von Flammschutzmittel zur Babymilch

Betrüger nutzen Melamin zur Vortäuschung von Proteingehalt. Melamin ist eine stickstoffreiche organische Chemikalie.

Melamin - Von Flammschutzmittel zur Babymilch
© APA

Mehrere Kinder sind in China durch verseuchtes Milchpulver ums Leben gekommen, mehr als 6.200 sind erkrankt. Schuld sind Milchpulver zur Herstellung von Babynahrung, die mit der gefährlichen Chemikalie Melamin versetzt waren. Jetzt tauchte auch in Österreich die erste verseuchte Milchprobe auf. Bisher wurde die Chemikalie in Produkten von 22 chinesischen Herstellern gefunden. Hier die wichtigsten Fakten zu Melamin:

Melamin ist eine Stickstoff-haltige, sogenannte aromatische Chemikalie, die industriell vor allem in der Holzwerkstoff- und Kunststoffindustrie sowie als Bestandteil von Klebern eingesetzt wird. Unverarbeitet ist es ein weißes Pulver. Der hohe Stickstoff-Gehalt des Melamins ist auch der Grund, warum es bei einer Beimischung zu Nahrungsmitteln einen höheren Eiweiß-Gehalt vortäuscht. Auch Eiweiß hat einen hohen Stickstoff-Anteil.

Die schädigende Wirkung von Melamin auf die Nieren ist den Medizinern spätestens seit Vorfällen mit Melamin in Tierfutter bekannt. Bei Hunden und Katzen führte gepanschtes Futter mehrfach zu Nierenproblemen und Nierenversagen.

Melamin hat nichts mit dem natürlichen Pigment Melanin zu tun. Diese gelblichen bis braunen Pigmente werden in der Haut gebildet und sorgen unter anderem für die Färbung von Haut und auch Haaren.

Nutzen
Melamin ist eine stickstoffreiche organische Chemikalie, die sehr hitze-, feuer- und lichtbeständig ist. Durch chemische Umwandlung kann sie zu Kunstkarzen verarbeitet werden, die vor allem in Klebstoffen, zur Herstellung von Plastikgegenständen und in Flammschutzmitteln verwendet werden. Wegen seines hohen Stickstoffgehalts kommt Melamin zudem bei der Herstellung von Düngemitteln zum Einsatz.

Missbrauch
Durch Messen des Stickstoffgehalts lässt sich der Proteingehalt von Nahrungsmitteln bestimmen. Durch das betrügerische Beimengen von stickstoffreichem Melamin lässt sich daher ein höherer Proteingehalt vortäuschen. Berichten westlicher Medien zufolge gibt es in China einen riesigen schwarzen Markt für Melamin. Betrüger täuschen damit den Berichten zufolge unter anderem einen hohen Eiweißgehalt bei Tiernahrung vor.

Gefahr
Melamin ist in Nahrungsmitteln verboten. Beim Verzehr ist es zwar nicht unmittelbar hochgiftig. Es kann jedoch die Bildung von Nieren- und Blasensteinen bewirken, da es in Verbindung mit anderen Chemikalien Kristalle bildet. Die meisten der in China erkrankten Babys hatten drei bis sechs Monate lang vergiftete Babymilch getrunken. Die drei toten Säuglinge starben an Nierenversagen.

Schlagzeilen
Im vergangenen Jahr wurden in China hergestellte, mit Melamin versetzte Nahrungsmittelzusätze in Haustierfutter für den Tod mehrerer Hunde und Katzen in den USA verantwortlich gemacht. Mehrere Tierfutterprodukte wurden zurückgerufen.




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