23. August 2007 14:45

Uni-Innsbruck 

Mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit geklärt

Eine mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit auch beim Menschen wurde an der Universität Innsbruck entdeckt.

Mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit geklärt
© photos.com

Alexandra Lusser vom Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck hat gemeinsam mit amerikanischen Kollegen die Funktion des Proteins "CHD1" ausgeforscht. Lusser klärte anhand von Untersuchungen an Fruchtfliegen (Drosophila) Funktion und Bedeutung des Eiweis´. Die Arbeiten wurden in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlicht.

Verpackung der Erbsubstanz (DNA)
Bereits vor zwei Jahren fand Lusser heraus, dass "CHD1" als sogenanntes molekulares Motorprotein bei der Verpackung der Erbsubstanz (DNA) eine Rolle spielt. Aufgerollt wäre die DNA nämlich mehrere Meter lang. Um sie in einem winzigen Zellkern unterbringen zu können, wird das Riesenmolekül um sogenannte Histone gleichsam wie auf Spulen aufgerollt und dadurch verpackt. Damit die DNA-Information abgelesen werden kann, muss der betreffende Abschnitt wieder entpackt werden. Daher dient die ganze Prozedur nicht nur der Platzersparnis, sondern auch als als Regulation, welche Gene gerade aktiv sind und welche ruhen. Fehler bei der Genregulation werden unter anderem als Ursache für die Entstehung von Krebs angenommen.

Versuche mit Fruchtfliegen
Um identifizieren zu können, was "CHD1" genau macht, haben die Wissenschafter Exemplare der Fruchtfliege gezüchtet, bei denen das Motorprotein "CHD1" nicht vorhanden ist. Experten sprechen dabei von sogenannte Knock-out-Fliegen. In der folgenden Generation haben die entsprechenden Drosophila-Weibchen zwar befruchtete Eier gelegt, es entstanden daraus jedoch keine lebens- und entwicklungsfähigen Embryos, weil keine geordnete Ver- und in der Folge Entpackung des männlichen Erbmaterials mehr möglich ist. Trotz Befruchtung konnten männliches und weibliches Erbgut nicht verschmelzen.

Vorgang auch beim Menschen relevant
"Diese Entdeckung ist deshalb sehr bemerkenswert, weil es sich dabei um einen sehr grundsätzlichen Prozess bei der Entstehung von neuem Leben handelt und dies damit auch bei höher entwickelten Lebewesen, somit auch beim Mensch, relevant ist", so Lusser. Derzeit planen die Wissenschafter, ihre Erkenntnisse auch an Mäusen zu testen. Letztendlich erwartet man sich durch die Forschungen aber auch Fortschritte für die Medizin, da Prozesse um die Genregulation eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Erbkrankheiten und Krebs spielen. Langfristiges Ziel der Wissenschafter ist es, "einen prognostischen Marker zu entwickeln, der bei der Ursachenforschung und der Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch eine Rolle spielen könnte".




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